In der Nacht von Donnerstag auf Freitag, genauer gesagt um 3.30 Uhr, wurde eine Frau in der Würtzlerstraße in Wien auf ein seltsames Geräusch aufmerksam: das Zerbrechen einer Glasscheibe. Was sich dann entfaltete, war eine Szene, die man in filigranen Krimis erwarten würde, nur dass es hier um echte Jugendliche ging. Diese drei Jungs, die sich offensichtlich in einer Art Adrenalinschub verloren hatten, entnahmen Gegenstände aus der Auslage eines Geschäftes. Man kann sich nur fragen, was in ihren Köpfen vorgeht, wenn sie solche Entscheidungen treffen. Aber die Geschichte nimmt eine Wendung, denn die Frau ließ sich nicht einfach so abspeisen und informierte umgehend die Polizei.
Es kam, wie es kommen musste: Die Jugendlichen flüchteten erst einmal in ein nahegelegenes Wohnhaus, schienen dann aber wieder den Mut zu finden und kehrten zurück, um noch mehr Gegenstände zu stehlen. Ob das ein Zeichen von Unerschrockenheit oder einfach nur von Dummheit war, bleibt jedem selbst überlassen. Zwei Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma wurden ebenfalls auf das Treiben aufmerksam und hielten die Burschen fest, bis die Polizei eintraf. Bei der anschließenden Kontrolle stellte sich heraus, dass nicht nur eine Auslagenscheibe eingeschlagen wurde – die beiden 14-Jährigen und ihr 13-jähriger Komplize hatten bereits eine beachtliche Liste an Straftaten auf dem Kerbholz.
Junge Täter und ihre Taten
Die beiden 14-Jährigen konnten insgesamt zwölf Straftaten zugeordnet werden. Darunter befanden sich ein KFZ-Einbruch in Langenzersdorf, Körperverletzung und Sachbeschädigung in Favoriten sowie gleich fünf KFZ-Einbrüche in der Landstraße. Der 13-Jährige hingegen, der anscheinend eine Art von Gewissen hatte, zeigte den Beamten sogar Videos von seinen „Heldentaten“ auf seinem Smartphone. Es ist schon fast grotesk, wie Jugendliche heutzutage mit dem Thema Verbrechen umgehen. Und das ist kein Einzelfall, denn viele Jugendliche scheinen sich in einem Umfeld zu bewegen, in dem solche Handlungen fast schon normalisiert werden.
In der Tat zeigen Statistiken, dass die Mehrheit der tatverdächtigen Kinder und Jugendlichen nur einmal polizeilich in Erscheinung tritt. Doch es gibt auch die anderen – etwa 5 bis 10 Prozent, die immer wieder straffällig werden. Oft sind diese „Intensivtäter“ männlich und kommen aus komplexen sozialen Problemlagen. Dazu gehören soziale Benachteiligungen, Gewalterfahrungen oder auch Substanzmissbrauch sowie problematische Freundeskreise. Man könnte fast sagen, es ist ein Teufelskreis, der nur schwer zu durchbrechen ist. Das Bundesjugendministerium hat sich daher auf die Fahnen geschrieben, Handlungsstrategien zur Prävention von Kinder- und Jugendkriminalität zu entwickeln.
Prävention und Unterstützung
Die Zusammenarbeit zwischen Kinder- und Jugendhilfe, Schule und Polizei wird immer wichtiger. In den letzten 20 Jahren hat sich in der Kriminalitäts- und Gewaltprävention viel getan, und es wurden zahlreiche Konzepte entwickelt, um Kinder und Jugendliche von delinquentem Verhalten abzuhalten. Die Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendkriminalprävention am Deutschen Jugendinstitut ist hier ein zentraler Ansprechpartner. Und die Frage bleibt: Was können wir tun, um solchen Entwicklungen entgegenzuwirken? Es ist klar, dass jeder Fall individuell betrachtet werden muss, aber die Unterstützung von Schulen, Eltern und sozialen Institutionen ist entscheidend.
Insofern ist es ein gespaltenes Bild, das uns die aktuelle Situation bietet: Auf der einen Seite gibt es die Jugendlichen, die in ihrer Unbedarftheit und Neugierde in Schwierigkeiten geraten. Auf der anderen Seite stehen die Institutionen, die versuchen, mit präventiven Maßnahmen gegenzusteuern. Man könnte fast sagen, das ist ein Tanz auf der Klinge – eine Herausforderung für alle Beteiligten. Es bleibt zu hoffen, dass solche Vorfälle wie in der Würtzlerstraße nicht zur Normalität werden, sondern als Anstoß dienen, um über die wahren Hintergründe von Jugendkriminalität nachzudenken und aktiv zu werden.