Heute ist der 20.05.2026 und während ich durch Floridsdorf schlendere, höre ich an jeder Ecke die gleichen Sorgen: Mehr Polizeipräsenz! Die Bezirksvorsteher Marcus Franz aus Favoriten und Georg Papai aus Floridsdorf haben das Thema jetzt aufgegriffen und eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen. Der Titel? „Gerechtigkeit und noch mehr Sicherheit für Wien – faire Polizei-Personalverteilung in ganz Österreich“. Hier wird nicht nur geredet, hier wird auch gesammelt – am Franz-Jonas-Platz werden Unterschriften gesammelt, um die Anliegen der Bevölkerung laut und deutlich zu machen. Ehrlich gesagt, es wird Zeit, dass die Stimme der Bürger Gehör findet!

Die Initiative hat drei zentrale Forderungen, die es in sich haben: Erstens soll ein einheitlicher Verteilungsschlüssel für Polizeipersonal her, der sich an der Einwohnerzahl orientiert. Zweitens wird eine transparente Zuteilung gefordert, bei der nur aktives Personal berücksichtigt wird. Und drittens – das ist ganz wichtig – soll gesetzlich sichergestellt werden, dass ein Personalunterstand nicht mehr möglich ist. Papai hat ganz recht, wenn er betont, dass das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung stark von der Polizeipräsenz abhängt. Schließlich ist es kein Geheimnis, dass in Favoriten und Floridsdorf zusammen über 400.000 Menschen leben.

Die Zahlen sprechen Bände

Wenn man sich die Zahlen anschaut, wird einem ganz anders. In Favoriten gibt es 319 Planstellen, aber nur rund 300 sind tatsächlich im Einsatz. Und in Floridsdorf sieht’s nicht viel besser aus: Von 248 Planstellen sind nur 177 besetzt. Jetzt wird klar, warum Franz seit über 13 Jahren für mehr Polizisten kämpft. Und das, wo die Stadt Wien bereits Schritte unternommen hat, um die Exekutive zu entlasten, wie zum Beispiel die Übernahme des Pass- und Meldewesens. Die Diskussion um die Polizeistärke in den Bezirken zieht sich schon eine Weile hin, und Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) wird aufgefordert, endlich zu handeln.

Doch wie sieht es eigentlich über die Grenzen Österreichs hinaus aus? Die Frage nach mehr Polizeipräsenz ist nicht nur hierzulande ein Thema. Zwei Drittel der Menschen wünschen sich mehr Polizisten auf den Straßen – ein Wunsch, der international Gültigkeit hat. Schon in den 1970er Jahren wurden in den USA ähnliche Studien durchgeführt. Ein Experiment des Gießener Kriminologen Tim Pfeiffer zeigt, dass mehr Polizeipräsenz paradoxerweise das Sicherheitsgefühl sogar verringern kann. Komischerweise berichteten Befragte in den Bereichen mit zusätzlicher Polizeipräsenz von einem erhöhten Unsicherheitsgefühl. Das nennt man das „Präsenzparadoxon“ – mehr Polizei könnte also das Gefühl der Sicherheit schmälern.

Sicherheit ist mehr als nur Polizei

Ich meine, das ist schon ein wenig verwirrend, oder? Es gibt einfach keinen physischen Beweis dafür, dass beispielsweise Drogenabhängige oder Lärmbelästigungen in den patrouillierten Gebieten tatsächlich zugenommen haben. Pfeiffer plädiert dafür, mehr Beamte in Kriminalitäts-Hotspots einzusetzen. Aber das reicht nicht. Auch Kommunen sollten aktiv werden, um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu verbessern. Ein bisschen Instandhaltung von Gebäuden oder die Beseitigung von Müll können hier Wunder wirken. Sicherheit ist schließlich mehr als nur die Präsenz von Polizisten.

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Die Diskussion wird also spannend bleiben. Hier in Floridsdorf und auch anderswo. Es ist schön zu sehen, dass die Bürger sich engagieren und ihre Stimme erheben. Die Frage ist, ob die Politiker endlich hören werden, was die Menschen wirklich wollen.