Es gibt Tage, an denen man das Gefühl hat, die Stadt selbst feiere mit. Heute, am 19. Mai 2026, ist so ein Tag. In Margareten wurde eine Gedenktafel für Erwin Lanc enthüllt, ein Name, der in der Geschichte Wiens und der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) fest verankert ist. Diese Tafel, die nun am Matzleinsdorfer Hochhaus in der Leopold-Rister-Gasse 5 prangt, soll nicht nur an seinen Lebensweg erinnern, sondern auch an das soziale und politische Engagement, das er mit Leidenschaft verfolgt hat.
Erwin Lanc, geboren am 17. Mai 1930 in Wien, war nicht nur ein Politiker, sondern auch ein Friedensaktivist, der schon als Schüler in der SPÖ aktiv war. Nach seiner Matura 1948 und dem Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Wien begann er seine berufliche Laufbahn als Vertragsbediensteter im Bundesministerium für soziale Verwaltung. Später war er als Bundessekretär beim Österreichischen Jugendherbergsverband und als Bankbeamter tätig, bevor er 1960 in die Politik eintrat.
Politische Laufbahn und Ministerämter
Seine politische Karriere begann im Wiener Landtag und im Gemeinderat, wo er von 1960 bis 1966 saß. Als Bezirksparteivorsitzender der SPÖ Wien/Margareten und stellvertretender Landesparteivorsitzender der SPÖ Wien prägte er das politische Geschehen der Stadt. 1966 wechselte Lanc in den Nationalrat, wo er bis 1970 und dann wieder von 1970 bis 1983 das Sagen hatte. Unter der Ägide von Bundeskanzler Bruno Kreisky übernahm er verschiedene Ministerämter: Verkehrsminister, Innenminister und schließlich Außenminister. Besonders in der Reformpolitik der 1970er- und 1980er-Jahre setzte er Akzente, die auch heute noch nachhallen.
Wer sich mit der Geschichte der österreichischen Politik beschäftigt, kommt um seine Erfolge nicht herum. Lanc war ein Mann der Tat – er setzte sich für moderne Infrastruktur, eine demokratische Sicherheits- und Innenpolitik sowie für die außenpolitische Positionierung Österreichs als Brückenbauer zwischen Ost und West ein. Das sind keine kleinen Brocken, und sein Engagement blieb nicht unbemerkt. Er wurde vielfach ausgezeichnet und war immer ein gefragter Diskussionspartner.
Ein Leben für den Frieden
Doch nicht nur in der Politik hinterließ Lanc seine Spuren. Nach seinem Rückzug aus der Tagespolitik im Jahr 1989 widmete er sich dem International Institute for Peace, wo er bis 2008 Präsident war. Ein Engagement, das zeigt, dass ihm der Frieden zwischen den Menschen am Herzen lag. Er setzte sich aktiv für den Dialog zwischen Israelis und Palästinensern ein, was in der heutigen Zeit von großer Bedeutung ist.
Außerdem war er im Sport aktiv – als Handballspieler und Trainer beim WAT Margareten, dem heutigen FIVERS WAT Margareten, und als Präsident des Österreichischen Handball- und Faustballbunds. In diesen Rollen bewies er nicht nur Führungsstärke, sondern auch seine Leidenschaft für den Sport und die Gemeinschaft. Sein Wirken im Sport und in der Politik ist untrennbar miteinander verbunden.
Ein bleibendes Erbe
Erwin Lanc verstarb am 29. März 2025 im Alter von 95 Jahren in Wien. Sein Tod hinterließ eine Lücke, nicht nur in der SPÖ, sondern in ganz Österreich. Die Gedenktafel am Matzleinsdorfer Hochhaus soll an sein außergewöhnliches Leben und Wirken erinnern, das eng mit der Geschichte Wiens und der österreichischen Zeitgeschichte verknüpft ist. Ein Leben, das von sozialem Engagement, politischem Weitblick und der unermüdlichen Suche nach Frieden geprägt war.
Die heutige Enthüllung ist mehr als nur ein Akt des Gedenkens. Sie ist eine Hommage an einen Mann, der für viele als ein Vorbild gilt. Seine Visionen und Ideale werden in den Herzen der Menschen weiterleben, ein schöner Gedanke, nicht wahr?