In Liesing wird ein ganz besonderes Event stattfinden, das uns die Augen für einen oft vergessenen Teil der Geschichte öffnet. Der Verein Steine der Erinnerung lädt am 11. Juni 2026 um 18:30 Uhr in die VHS Liesing (Liesinger Platz 3, 1230 Wien) zu einem Vortrag mit dem Titel „Schwarze Menschen im Nationalsozialismus“ ein. Und das Beste? Eine Anmeldung ist nicht erforderlich! Einfach vorbeikommen und mitdiskutieren.

Univ. Prof. Dr. Walter Sauer wird uns durch die vielschichtige und komplexe Geschichte der Schwarzen Menschen während des Nationalsozialismus führen. Es ist wichtig, diese Perspektiven zu beleuchten, denn die Erfahrungen waren alles andere als einheitlich. Der Vortrag wird nicht nur den Umgang mit Schwarzen Menschen während der NS-Zeit thematisieren, sondern auch den Blick zurück auf die Zeit der Monarchie und die Zwischenkriegszeit werfen.

Ein Blick in die Vergangenheit

Die historischen Wurzeln reichen bis zur deutschen Kolonialzeit von 1884 bis 1918 zurück. In dieser Zeit wurden viele Menschen aus den ehemaligen Kolonien nach Deutschland gebracht, die dann nach dem Ersten Weltkrieg staatenlos wurden. Diese „Landsleute“ lebten oft im Schatten der Gesellschaft und waren, wie die Forschung zeigt, von Rasseideologie und politischen Interessen geprägt. Zu den betroffenen Gruppen zählen nicht nur dauerhaft lebende Afro-Deutsche, sondern auch afrikanische Migrantinnen und Migranten sowie Afro-Europäer und Afro-Amerikaner, die zeitweise in Deutschland waren.

Die Verfolgung Schwarzer Menschen im Nationalsozialismus war gnadenlos. Ab 1935, nach den Nürnberger Gesetzen, verschärfte sich die rechtliche Situation dramatisch. Viele Kolonialmigranten, die zuvor als „lebendes Kapital“ für die Nazis galten, wurden ab 1937 illegal sterilisiert oder in Konzentrationslager interniert. Es wird geschätzt, dass etwa 2.000 Menschen afrikanischer Herkunft in diesen Lagern ihr Leben ließen. Diese Geschichten sind oft nur schwer nachvollziehbar, nicht zuletzt wegen der mageren Quellenlage, die es Forschern erschwert, die Verfolgung detailliert zu rekonstruieren.

Rassistische Ideologie und ihre Folgen

Die nationalsozialistische Ideologie propagierte eine globale rassistische Hierarchie. Schwarze Menschen galten als „fremdrassig“ und passten nicht in die „Volksgemeinschaft“. Im Kontext kolonialer Pläne sollten sie als Arbeitskräfte untergeordnet werden. Besonders tragisch ist die Geschichte der „Rheinlandkinder“, die aus Verbindungen zwischen afrikanischen und asiatischen Kolonialsoldaten und deutschen Frauen entstanden. Diese Kinder wurden in der NS-Zeit als Bedrohung wahrgenommen und waren Ziel von rassistischen Maßnahmen, darunter auch Zwangssterilisationen.

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Ein gewisser Hilarius Gilges, ein Schwarzer Kommunist, wurde 1933 ermordet, was einen Wendepunkt in der Verfolgung darstellt. Während die Verfolgung oft widersprüchlich und chaotisch war, gab es dennoch eine frühe rassistische Ausgrenzung. Die Propaganda stellte besetzte Soldaten als Bedrohung dar, was die Stimmung in der Bevölkerung anheizte. Die NS-Behörden versuchten, die Realität zu kaschieren, und schufen damit ein verworrenes Bild der Verfolgung.

Die Zeit des Nationalsozialismus wirft einen langen Schatten auf die Geschichte und das Gedächtnis der Gesellschaft. Der Vortrag von Dr. Sauer bietet Gelegenheit, sich mit diesem schwierigen Kapitel auseinanderzusetzen und die Stimmen der Vergessenen zu hören. Es ist an der Zeit, diesen Geschichten Raum zu geben und sie in unser kollektives Gedächtnis aufzunehmen.