Im Herzen Wiens, genauer gesagt im Landstraße, geschieht gerade etwas ganz Besonderes. Die Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien hat sich aufgemacht, ihre Kunstsammlung neu zu gestalten und das Publikum in eine faszinierende Welt der Malerei zu entführen. Man könnte sagen, es ist eine Art Wiederbelebung, die nicht nur auf die alten Meister, sondern auch auf die bedeutenden Geschichten hinter den Kunstwerken fokussiert ist. Carl Aigner, der seit 2023 die Aufarbeitung der Sammlung leitet, hat sich dabei auf die Suche nach den Geschichten gemacht, die die Gemälde erzählen.

Diese Sammlung ist keine kleine Sache. Hunderte Werke namhafter Künstler, die seit den 1950er-Jahren erworben wurden, liegen hier im Kunstdepot der Raiffeisen. Darunter finden sich bedeutende Werke wie das Frühwerk von Egon Schiele oder ein Bild von Pablo Picasso. Auch Josef Engelhart, ein Meister der Wiener Secession, ist mit 61 Ölgemälden vertreten. Er war auch mit einer besonderen Geschichte verbunden, denn sein Gemälde „Spanische Tänzerin“ war Teil eines Immobiliendeals, der Raiffeisen den Zugang zu seinen Werkblöcken verschaffte. Ja, die Kunst hat ihre eigenen Wege, um Geschichte zu schreiben.

Ein Blick auf die Frauen in der Kunst

Wenn wir über die Sammlung sprechen, kommen wir auch nicht umhin, den Frauenanteil zu betrachten, der bei etwa 15% liegt. Eine dieser bemerkenswerten Künstlerinnen ist Kitty Goldmann, die Tochter des renommierten Modemachers Leopold Goldman. Ihr Schicksal ist ebenso bewegend wie inspirierend: Sie überlebte den Holocaust und emigrierte nach Chile, wo sie als Werbegrafikerin arbeitete. Ihr Vater war es, der das berühmte Loos-Haus am Michaelerplatz erbauen ließ, das im Jahr 1991 in den Besitz der Raiffeisen-Holding überging. Die Geschichten dieser Frauen sind oft in der Kunstgeschichte untergegangen, und umso wichtiger ist es, sie ans Licht zu bringen.

Apropos Geschichten – die Sammlung umfasst mehr als 600 Kunstwerke aus verschiedenen Kunstrichtungen, und die Aufarbeitung ist noch lange nicht abgeschlossen. Aigner hat bislang keine bekannten Fälle von Raubkunst entdeckt, aber der Blick auf die Vergangenheit wird weiterhin geschärft. Ein Bild von Rudolf Böttger, das Mäher auf einem Kornfeld zeigt, stammt von einem späteren NS-Kulturfunktionär und wirft damit neue Fragen auf. Es ist also nicht nur eine Sammlung, sondern eine Art Geschichtsbuch, das auch die dunklen Kapitel nicht ausblendet.

Die Zukunft der Raiffeisen-Kunstsammlung

Die Initiatoren dieser spannenden Reise, Obmann Erwin Hameseder und Generaldirektor Michael Höllerer, setzen auf Professionalisierung und strukturierte Weiterentwicklung. Es wird ein Bildband mit rund 200 abgebildeten Werken erstellt, und eine öffentliche Präsentation ist für den April im Museum Angerlehner in Thalheim bei Wels geplant. Ein jährliches Budget im mittleren sechsstelligen Bereich steht zur Verfügung, um die Sammlung weiterzuentwickeln und auch junge Künstler zu unterstützen. Themen wie Identität, Digitalisierung und Ökologie sollen dabei eine zentrale Rolle spielen. Der Blick in die Zukunft ist also voller Möglichkeiten.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Das Publikum hat noch bis zum 27. September die Chance, eigene Eindrücke zu gewinnen und sich von der Vielfalt und Tiefe der Kunstsammlung inspirieren zu lassen. Die Geschichten, die hier erzählt werden, sind nicht nur die von Künstlern und ihren Werken, sondern auch von einem kulturellen Erbe, das lebendig gehalten werden muss. In einer Zeit, in der wir uns mit Fragen der Identität und der gesellschaftlichen Verantwortung auseinandersetzen, ist es umso wichtiger, die Stimmen aller Künstler, ob männlich oder weiblich, zu hören und zu schätzen.