Inmitten des malerischen Hietzing, nicht weit von der ehemaligen Pfarrkirche, steht ein Biedermeier-Haus, das zurzeit im Mittelpunkt einer emotionalen Debatte steht. Hier wurde am 13. Mai 1941 die talentierte Schauspielerin Senta Berger geboren. Dieses historische Gebäude, welches seit den 1840er Jahren im Besitz der Stadt Wien ist, zeigt deutliche Anzeichen des Verfalls. Senta Berger selbst hat sich in einem Interview zu Wort gemeldet und den Zustand des Hauses kritisiert, während sie gleichzeitig den geplanten Abriss als Skandal bezeichnete. Ein wahrer Aufschrei in einer Stadt, die stolz auf ihre Geschichte ist!
Das Haus steht in einer Schutzzone, was bedeuten sollte, dass es besonderen Schutz genießt. Dennoch hat die Tochterfirma Wiseg von Wiener Wohnen die Verantwortung für das Gebäude übernommen und plant, es nicht abzureißen, sondern umfassend zu sanieren. Ein Sprecher der Firma, Alexander Klein, versicherte, dass die Sanierung bereits begonnen hat und bis 2027 abgeschlossen sein soll. Dabei wird auf ökologische Nachhaltigkeit gesetzt: Ein Zubau in Holzbauweise und eine neue Energieversorgung durch eine Luft-Wasser-Wärmepumpe sind Teil des Plans. Es entstehen sogar 13 hochwertige Mietwohnungen, auch wenn der Kindergarten im Erdgeschoss nicht mehr erhalten bleibt.
Der Kampf um den Erhalt historischer Gebäude
Die Wiener Bauordnung sieht vor, dass in Schutzzonen strengere Auflagen für Umbauten gelten. Doch in der praktischen Umsetzung scheinen diese Regeln oft nicht zu greifen. Kritiker bemängeln, dass Eigentümer von Häusern in Schutzzonen zwar strenge Auflagen für Renovierungen einhalten müssen, aber dennoch in der Praxis oftmals abgerissen wird. Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass Abbrüche in Schutzzonen wie in der Krieglergasse oder am Leopoldauer Platz bereits Realität wurden. Das wirft die Frage auf, ob die Schutzzonen tatsächlich den gewünschten Schutz bieten oder ob es sich nur um ein Papierkonstrukt handelt.
Die Initiative Denkmalschutz fordert eine Abschaffung der sogenannten „Abbruchreife“, die oft als Vorwand genutzt wird, um alte Gebäude abzureißen. Tatsächlich benachteiligt die Berechnungsmethode der „wirtschaftlichen Abbruchreife“ Altbauten, da die Mieteinnahmen für diese gedeckelt sind, während Neubauten höhere Einnahmemöglichkeiten bieten. Eine Schieflage, die nicht nur den Charme der Stadt gefährdet, sondern auch die Vielfalt der Wohnmöglichkeiten für die Einwohner von Wien.
Ein Blick in die Zukunft
Die Erhaltung des charakteristischen Stadtbildes ist das Ziel der Schutzzonen, die im Flächenwidmungs- und Bebauungsplan festgelegt sind. Man könnte sagen, dass es sich hier um eine Art Schutzschild gegen die Verflachung der Architektur handelt – zumindest sollte es das sein. Historische Strukturen und prägende Bausubstanz sollen bewahrt werden, und Neubauten müssen sich harmonisch ins Stadtbild einfügen. Doch wie sieht die Realität aus? Bis Mitte der 1990er-Jahre gab es in Schutzzonen wesentliche Defizite, die nun durch ein verbessertes Schutzzonenmodell behoben werden sollen.
Das Thema ist komplex und bewegt viele Menschen in Wien. Senta Berger als gebürtige Wienerin hat mit ihrer Stimme etwas angestoßen, das weit über ihr persönliches Geburtshaus hinausgeht. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird und ob die Bemühungen um den Erhalt der historischen Bausubstanz in der Stadt tatsächlich Früchte tragen werden. Bis 2027 sind wir jedenfalls Zeugen eines spannenden Prozesses, der nicht nur das Schicksal eines Hauses betrifft, sondern auch das von vielen anderen historischen Gebäuden in Wien.
