In Wien, genauer gesagt in Floridsdorf, hat sich ein neuer Anlaufpunkt für die Gesundheitsversorgung aufgetan: Die Primärversorgungseinheit (PVE) PVE21. Hier hat Dr. Naghme Kamaleyan-Schmied ihre Ordination verlassen und ist nun Teil eines Teams, das die medizinische Versorgung auf ein neues Level heben soll. Es ist ein frischer Wind in der Stadt, denn die Stadt Wien hat sich das Ziel gesetzt, die Primärversorgung bis 2030 auf insgesamt 94 solcher Einheiten auszubauen. So sollen die oft überlasteten Spitalsambulanzen entlastet werden.
Wien ist bereits gut aufgestellt mit 39 PVEs, darunter neun speziell für Kinder. Die Idee hinter diesen Einrichtungen ist simpel, aber genial: Eine wohnortnahe, niederschwellige medizinische Versorgung, die den Menschen in ihrer Nähe zugänglich ist. Die Öffnungszeiten sind länger, die Wartezeiten kürzer und die Betreuung durch ein multiprofessionelles Team aus Ärzten und weiteren Gesundheitsberufen ist ein klarer Vorteil. Das macht die PVE nicht nur zur ersten Anlaufstelle für gesundheitliche Anliegen, sondern auch zu einem Ort, an dem Patienten sich gut aufgehoben fühlen.
Ein gesundes Miteinander
Die PVE sind nicht nur ein Ort für medizinische Behandlung, sie fördern auch die Prävention und die Gesundheit insgesamt. Die Teams bestehen aus mindestens zwei Allgemeinmediziner:innen, diplomiertem Pflegepersonal und Ordinationsassistenz – alles unter einem Dach, was die Koordination für die Patienten erleichtert. Wenn man bedenkt, dass in einer gut ausgebauten Primärversorgung chronisch kranke Menschen besser betreut werden, wird klar, warum diese Einheiten so wichtig sind.
Die Stadt Wien investiert jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag in den Ausbau der PVEs, was nicht nur zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung beiträgt, sondern auch den Rückgang der niedergelassenen Kassenärzte umkehrt. Die Menschen sind mit den PVEs zufrieden; neun von zehn empfehlen sie weiter. Besonders junge Patienten schätzen das Angebot, während ältere Generationen vielleicht noch etwas zurückhaltender sind.
Eine Herausforderung, die sich lohnt
Natürlich gibt es Herausforderungen bei der Gründung solcher Einheiten. Oft wird es zur Hürde, geeignete Immobilien und qualifiziertes Personal zu finden. Die laufenden Kosten für Personal und Infrastruktur sind eine finanzielle Belastung für die Gründer. Doch die Aussicht auf eine verbesserte medizinische Versorgung motiviert und treibt die Verantwortlichen an. Die Ärztekammer Wien, die anfangs kritisch war, hat sich mittlerweile dem Wandel angepasst und unterstützt die Entwicklung der PVEs.
Die Gesundheitsreform 2013 war ein Wendepunkt, der den rechtlichen Rahmen für die Primärversorgung schuf. Und mit dem überarbeiteten Primärversorgungsgesetz 2023 stehen den PVEs ab 2024 jährlich 300 Millionen Euro für den weiteren Ausbau zur Verfügung. Das klingt nach einer soliden Basis für die Zukunft!
Die Plattform Primärversorgung dient zudem als Informations- und Kommunikationsdrehscheibe für alle Akteure in diesem Bereich. Die Bedeutung der Primärversorgung wird immer mehr erkannt, und es ist ein Kulturwandel im Gange: Patienten ziehen zunehmend die ambulante Versorgung vor. Wenn das nicht ein positives Zeichen für die Zukunft der Gesundheitsversorgung in Wien ist, dann weiß ich auch nicht!