Heute ist der 7. Mai 2026, und wir stehen hier in Floridsdorf, um einem außergewöhnlichen Menschen zu gedenken. Richard Lugner, der am 11. Oktober 1932 in Wien das Licht der Welt erblickte, ist im Alter von 91 Jahren verstorben. Ein Baumeister, ein Entertainer und vor allem ein Mensch, der mit seinen Projekten und seinem Lebenswerk Spuren hinterlassen hat. Er war kein gewöhnlicher Bauunternehmer – nein, er war ein Phänomen, das in der österreichischen Baugeschichte seinen Platz gefunden hat.
Sein Einstieg in die Baubranche war in den 1950er Jahren, genau nach der Matura 1953, als die Bauwirtschaft boomte. Was als kleines Unternehmen mit nur zwei Angestellten begann, wuchs schnell zu einer beeindruckenden Belegschaft von 700. Der große Durchbruch kam 1975 mit dem Bau der Wiener Moschee in Floridsdorf, dem ersten islamischen Gotteshaus dieser Art in Österreich, das er im Auftrag des saudi-arabischen Königs Faisal ibn Abd al-Aziz errichtete. Diese Moschee wurde nicht nur ein architektonisches Wahrzeichen, sondern auch ein kulturelles Zentrum für die Muslime in Österreich – ein Ort für Diplomaten, Geschäftsleute, Studenten, Arbeiter und Flüchtlinge, die hier ein neues Zuhause fanden.
Ein Unternehmer mit Visionen
1988 wagte Lugner einen weiteren gewaltigen Schritt: den Kauf eines Grundstücks am Wiener Gürtel für stolze 14 Millionen Schilling, um die „Lugner City“ zu errichten. Ein Einkaufszentrum, das heute als eines der erfolgreichsten in Österreich gilt. Sein Konzept basierte auf einer gründlichen Analyse anderer Einkaufszentren – das hat sich ausgezahlt! Wer kennt sie nicht, die bunten Schilder und die lebendige Atmosphäre, die dort herrscht? Lugner verstand es, nicht nur zu bauen, sondern auch das Einkaufserlebnis der Menschen zu bereichern.
Politische Ambitionen konnte man bei Lugner ebenfalls beobachten. Bei der Bundespräsidentenwahl 1998 schaffte er es auf den vierten Platz mit 9,91 % der Stimmen. Nicht zu vergessen seine Liste „Die Unabhängigen“, die bei der Nationalratswahl 1999 nur 1,02 % der Stimmen erhielt. Ein bisschen wie ein Feuerwerk – hell und kurzlebig. 2016 versuchte er es erneut, kam aber mit 2,26 % im ersten Wahlgang nicht weit.
Kulturelles Erbe und gesellschaftliche Verantwortung
Die Wiener Moschee, die Lugner baute, ist nicht nur ein Ort des Gebets, sondern auch ein wichtiger kultureller Anlaufpunkt für die muslimische Gemeinschaft. Sie bietet eine große Moschee, eine Bibliothek, einen Veranstaltungssaal, Büroräume und Klassenzimmer für Arabisch- und Qur’an-Unterricht. Die Muslime in Österreich genießen die gleichen Rechte wie andere Religionsgemeinschaften, und das Zentrum trägt dazu bei, ein Gefühl der Zugehörigkeit und der Gemeinschaft zu schaffen. Hier treffen sich Menschen aus verschiedenen Herkunftsländern, wie Albanien, Bosnien und anderen ehemaligen osmanischen Gebieten – und das ist etwas ganz Besonderes.
Doch es gibt auch kritische Stimmen. Otto Bruckner, stellvertretender Vorsitzender der Partei der Arbeit Österreichs, äußerte in einem Kommentar Bedenken über die einseitige Berichterstattung über Lugners Leben. Er hinterließ ein Vermögen von über 100 Millionen Euro, aber wie viel davon hat er tatsächlich selbst erarbeitet? Bruckner hebt hervor, dass Lugners Erfolg untrennbar mit der Arbeit vieler Menschen verbunden war, die oft im Hintergrund blieben, während ihre Anstrengungen nicht ausreichend gewürdigt werden. Lugner hatte zwar den Ruf, seine Belegschaften anständig zu behandeln, doch in der Bauzunft wird er auch als Ausbeuter bezeichnet. Ein zwiespältiges Bild, das zeigt, wie vielschichtig das Leben eines solchen Unternehmers war.
Am Ende bleibt uns Richard Lugner als ein Mann in Erinnerung, dessen Lebenswerk sowohl Bewunderung als auch kritische Reflexion hervorruft. Alexander Van der Bellen, unser Bundespräsident, hat ebenfalls seiner Trauer über Lugners Tod Ausdruck verliehen. Ein Leben voller Höhen und Tiefen, das uns alle zum Nachdenken anregt – über die Menschen hinter den Bauprojekten und die Geschichten, die in jedem Stein stecken.