In der Brigittenau, einem Stadtteil Wiens, hat sich am Freitag ein schreckliches Verbrechen ereignet, das die Gemüter bewegt. Eine Mitarbeiterin des Asia Studios, eines Bordells in der Gegend, konnte sich während einer Messerattacke in einem Zimmer einsperren. Was sie hörte, war unvorstellbar: drei junge Frauen wurden tot aufgefunden, ihre Körper wiesen massive Schnitt- und Stichverletzungen auf. Die Identitäten der Opfer sind noch nicht geklärt, und die ganze Stadt fragt sich: Was ist hier geschehen?
Der Verdächtige, ein 27-jähriger Asylwerber aus Afghanistan, wurde am Samstagfrüh von der Polizei festgenommen. Bei seiner Festnahme zeigte er sich aggressiv und musste mit einem Taser außer Gefecht gesetzt werden. Es gibt Berichte, dass er sich selbst Schnittverletzungen zugefügt hat, doch über sein Motiv schweigt er bisher. Die Einvernahme begann am Samstagnachmittag mit einem Dolmetscher, doch die Fragen bleiben: Warum geschah dieses Verbrechen? Und was treibt Menschen zu solch grausamen Taten?
Die Stimmen der Politik
Die Reaktionen aus der Politik ließen nicht lange auf sich warten. Eva-Maria Holzleitner, die SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende, forderte eine Krisensitzung und einen Nationalen Aktionsplan für den Gewaltschutz. Sie wies eindringlich auf die alarmierende Zahl an Femiziden in Österreich hin, die auch im Kontext dieser grausamen Tat betrachtet werden muss. Auf der anderen Seite meint FPÖ-Chef Dominik Nepp, dass wir eine Eskalation der Gewalt in unserer Stadt beobachten müssen und fordert eine rigorose Abschiebepolitik.
Die Debatte über Femizide, also die Tötung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts, wird durch diese Tragödie neu entfacht. Experten warnen, dass geschlechtsspezifische Gewalt in unserer Gesellschaft weit verbreitet ist. Sie ist kein Einzelfall – in Deutschland etwa stieg die Zahl der Femizide im Jahr 2023 um 1 % auf 360, und die Zahlen aus Österreich könnten ähnlich alarmierend sein. Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das nicht ignoriert werden kann.
Das Hilfesystem unter Druck
Unser Hilfesystem für von Gewalt betroffene Frauen steht unter enormem Druck. In Deutschland gibt es rund 400 Frauenhäuser, die jedoch oft dauerhaft belegt sind. Die Kapazitäten sind schlichtweg nicht ausreichend, um allen in Not befindlichen Frauen zu helfen. Frauen mit Mehrfachdiskriminierungen, sei es durch Armut, Behinderung oder Fluchterfahrungen, finden oft nicht den Zugang zu den notwendigen Hilfsangeboten. Das führt zu einem Teufelskreis, aus dem es kaum einen Ausweg gibt.
In Österreich wird die Situation durch den Anstieg an Betretungsverboten positiv betrachtet, um häusliche Gewalt sichtbar zu machen. Doch die Realität ist komplexer. Fachleute für Opferschutz warnen vor einer pauschalen Einordnung von Frauenmorden als häusliche Gewalt. Im Jahr 2022 gab es 26 Tötungsdelikte an Frauen, und nur in einem Fall bestand ein Annäherungs- und Betretungsverbot. Wie können wir sicherstellen, dass Frauen in Gefahr rechtzeitig Hilfe bekommen? Und wie können wir das Bewusstsein für diese Themen schärfen?
Strukturelles Machtungleichgewicht
Femizide sind mehr als nur schreckliche Einzelfälle, sie sind Ausdruck eines tief verwurzelten, strukturellen Machtungleichgewichts zwischen den Geschlechtern. Die Mehrheit der Frauen, die tödliche Gewalt erfahren, wird von (Ex-)Partnern oder Familienmitgliedern angegriffen. Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, bedarf es nicht nur einer sofortigen Reaktion, sondern langfristiger Strategien zur Verbesserung der Hilfsangebote und zur Sensibilisierung der Fachkräfte im Hilfesystem.
Die Istanbul-Konvention, die auch Österreich und Deutschland unterzeichnet haben, verpflichtet Staaten zu einem ganzheitlichen Ansatz zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Prävention, Schutz, Strafverfolgung – all das muss Hand in Hand gehen. Wir müssen uns unserer Verantwortung bewusst werden und die Stimme erheben für die, die sie nicht mehr erheben können.