Heute ist der 26.06.2026 und Wien steht vor einer spannenden, aber auch unsicheren Zeit. Die Technische Universität Wien hat seit Mitte Juni 2026 die Stellenausschreibungen für Globalbudgetstellen vorübergehend gestoppt. Ein Schritt, der nicht ohne Grund erfolgt ist. Die Unsicherheit über die Universitätsfinanzierung für die Leistungsvereinbarungsperiode von 2028 bis 2030 bringt die Unis in eine brenzlige Lage. Die ursprünglich für Juni angekündigte Festlegung des Finanzrahmens wurde auf eine Regierungsklausur im Herbst verschoben. Und bis zum 31. Oktober muss laut gesetzlicher Frist Klarheit über die Finanzierung herrschen. Das ist schon ein bisschen wie ein Spiel auf der Rasierklinge – nicht gerade entspannend!

Die Universitätenkonferenz (uniko) wurde Ende Mai informiert, dass für die Leistungsperiode 2028–2030 nur rund 15,5 Milliarden Euro für alle 22 öffentlichen Universitäten vorgesehen sind. Wenn man bedenkt, dass der tatsächliche Bedarf, basierend auf WIFO-Inflationsprognosen, bei 18 Milliarden Euro liegt, wird die Lage schnell kritischer. Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner hat die Zahl zwar relativiert und eine endgültige Entscheidung auf den Herbst verschoben, aber das bringt den Universitäten wenig Sicherheit.

Ein harter Schnitt steht bevor

Der aktuelle Globalbudget der TU Wien beträgt rund 410 Millionen Euro jährlich. Ein Einschnitt in der diskutierten Größenordnung würde bedeuten, dass die Universität von 2028 an etwa 50 bis 60 Millionen Euro pro Jahr einsparen müsste. Das ist eine Summe, die schmerzlich ist, denn Personalkosten machen mehr als 63 % des Budgets aus. Die ersten, die in Mitleidenschaft gezogen werden, sind die befristet beschäftigten Nachwuchswissenschaftler, der wissenschaftliche Mittelbau und studentische Mitarbeiter. Und was bedeutet das für die Studierenden? Schlechtere Betreuungsverhältnisse, größere Lehrveranstaltungen, weniger individuelle Betreuung, längere Studiendauern und höhere Drop-out-Raten. Da möchte man fast die Schulen in die Schranken weisen, oder?

Doch das ist noch nicht alles. Auch die Forschungsleistung wird leiden, denn unbesetzte Stellen sind ein echtes Problem. Projekte verzögern sich, Unternehmenskooperationen werden schwerer planbar. Besonders betroffen sind Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz, Cybersecurity, Klimaschutz und Mikroelektronik. Das alles könnte langfristige Folgen für den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Österreich haben.

Die Leistungsvereinbarung: Ein Lichtblick?

<pJetzt kommt die Universität Wien ins Spiel. Sie hat im Dezember 2024 ihre Leistungsvereinbarung für die Jahre 2025-2027 unterzeichnet. Diese Vereinbarung ist ein öffentlich-rechtlicher Vertrag zwischen den Universitäten und dem Bund, der die Grundlage für das Arbeitsprogramm der Universität sowie zur Festlegung des Budgetrahmens dient. Mit einem Globalbudget von über 2,218 Milliarden Euro, was einer Steigerung von rund 29 % im Vergleich zur Vorperiode entspricht, könnte man meinen, dass hier das Licht am Ende des Tunnels leuchtet.

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Die Budgetsteigerung deckt die Teuerung aufgrund der Inflationsentwicklung ab und ermöglicht Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Universität. Dazu zählen unter anderem die Gründung eines Center for Advanced Studies und der Aufbau eines AI-Zentrums in Zusammenarbeit mit der TU Wien. Und während die TU Wien um ihre finanzielle Zukunft kämpft, investiert die Universität Wien in Forschungsexzellenz, Nachwuchswissenschaftler und innovative Lehrmodelle.

Ein Blick in die Zukunft

Von 2025 bis 2027 erhalten österreichische Universitäten insgesamt 16 Milliarden Euro über die Leistungsvereinbarungen. Das entspricht einer Erhöhung um 3,9 Milliarden Euro oder rund 30 % im Vergleich zu den Vorjahren. Wissenschaftsminister Martin Polaschek bezeichnet dies als das „höchste Universitätsbudget aller Zeiten“. Fast zwei Drittel des Budgets fließen in MINT-Bereiche und Life Sciences/Medizin. Damit sollen die Kostensteigerungen, etwa für Personal und Miete, ausgeglichen werden.

Die Leistungsvereinbarungen zielen darauf ab, Karrieren in Wissenschaft und Forschung attraktiver zu gestalten. Bis 2030 sollen die Zahl erfolgreicher Spin-offs verdoppelt werden – von 93 Ausgründungen in 2020 auf 156 im Jahr 2022. Das sind ganz schön ambitionierte Ziele!

Die TU Wien appelliert an die Bundesregierung, vor der Regierungsklausur im Herbst ein verlässliches Signal zur Universitätsfinanzierung zu geben. Denn die Zukunft der Forschung, die Ausbildung unserer Studierenden und letztendlich auch der Standort Österreich stehen auf dem Spiel. Man kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen die Dringlichkeit erkennen und rechtzeitig handeln.