Die Stadt Wien, so lebendig und vielfältig, trägt ein unsichtbares Gefälle in ihrem Herzen. Hier, im 15. Bezirk, Rudolfsheim-Fünfhaus, wo ich heute sitze, spürt man die Unterschiede ganz besonders. Es ist ein Ort, der trotz seiner charmanten Ecken und Kanten, wo das Leben pulsiert, mit Herausforderungen kämpft. Österreich hat ein Gesundheitssystem, das im internationalen Vergleich durchaus als vorbildlich gilt – die Hürden für einen Arztbesuch sind niedrig. Doch die Realität zeigt ein anderes Bild.

In einer Analyse, die die Lebenserwartung in den 23 Wiener Bezirken unter die Lupe nimmt, wird deutlich: Einkommen und Gesundheit gehen hier Hand in Hand. Wer im 1. Bezirk, der Inneren Stadt, lebt, hat eine durchschnittliche Lebenserwartung von 84,9 Jahren, während im 15. Bezirk diese auf nur 79,4 Jahre sinkt. Das Netto-Monatsgehalt im 1. Bezirk beträgt stolze 2.728 Euro – im Vergleich zu den 1.567 Euro, die man im Rudolfsheim-Fünfhaus verdient. Ein klarer Hinweis darauf, dass Geld nicht nur zum Leben, sondern auch zur Gesundheit beiträgt.

Ärzteverteilung und ihre Folgen

Die ärztliche Versorgung ist ebenfalls ein Bestandteil dieses Ungleichgewichts. In Bezirken wie Rudolfsheim-Fünfhaus, Brigittenau, Favoriten und Ottakring gibt es höchstens zwei Ärzte pro 1.000 Einwohner. Das ist wenig – sehr wenig. Im Gegensatz dazu gibt es in den wohlhabenderen Gegenden wie Währing oder Döbling über sieben Ärzte pro 1.000 Einwohner. Und im 1. Bezirk sogar 38,1 Ärzte! Das klingt nach einem Traum, der in den ärmeren Bezirken zur Realität wird: lange Wartezeiten, überfüllte Wartezimmer und überlastetes medizinisches Personal. Die Folgen sind gravierend: Verzögerungen bei Behandlungen und verspätete Diagnosen sind an der Tagesordnung.

Die Gesundheitsstatistik, erstellt und betreut von Statistik Austria, verdeutlicht diese Problematik. Sie dient als Grundlage für Gesundheitspolitik und Gesundheitsversorgung und erfasst den Gesundheitszustand der Bevölkerung. Die letzten Aktualisierungen zeigen, wie wichtig es ist, die geografischen und sozialen Unterschiede in der Gesundheitsversorgung zu berücksichtigen. In einem System, das auf Gleichheit abzielt, muss die gerechte Gesundheitsversorgung für alle Wienerinnen und Wiener an oberster Stelle stehen.

Ein Aufruf zur Veränderung

Eines ist klar: Eine gerechte Gesundheitspolitik ist unerlässlich. Es braucht eine nachhaltige Finanzierung von Gesundheitskassen, Spitälern und Primärversorgungszentren, um den Zugang zur medizinischen Versorgung zu verbessern. Es ist an der Zeit, dass auch die Menschen in Rudolfsheim-Fünfhaus die Möglichkeit erhalten, gesund zu leben und zu altern, ohne sich ständig um ihre medizinische Versorgung sorgen zu müssen. Denn Gesundheit sollte keine Frage des Geldes oder des Wohnorts sein.

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