Am Dienstag, dem 28. April, wurde im Guldenpark in Penzing an die düsteren Ereignisse vom 12. März 1938 erinnert. Vertreterinnen und Vertreter der SPÖ, ÖVP, Grünen und Links versammelten sich, um gemeinsam am Anschluss-Denkmal Kränze niederzulegen. Diese Gedenkfeier ist nicht nur ein Moment des Innehaltens, sondern auch eine moralische und politische Verpflichtung, die Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Bezirksvorsteherin Michaela Schüchner (SPÖ) unterstrich die Wichtigkeit einer aktiven Erinnerung an die Schrecken des Nationalsozialismus und die Verfolgung, die mit dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland einhergingen.
Das Mahnmal, welches seit 2009 im Guldenpark steht, wurde von der Jungen ÖVP Penzing und der Sozialistischen Jugend Penzing entworfen. Es ist ein eindringlicher Zeuge der Geschichte, geschaffen durch Schülerinnen und Schüler der Berufsschule für Baugewerbe Donaustadt. Während der Gedenkfeier wurde das Ereignis musikalisch vom Orchester der Wiener Kunstkommission unter der Leitung von Peter Illavsky begleitet, das Werke von im Nationalsozialismus vertriebenen Komponisten sowie das Volkslied „Die Gedanken sind frei“ spielte. Solche musikalischen Einlagen verleihen der Gedenkfeier eine besondere Atmosphäre, die zum Nachdenken anregt.
Erinnerungskultur im Kontext von Bücherverbrennungen
Die Bücherverbrennungen, die von den Nationalsozialisten in Deutschland zwischen März und November 1933 durchgeführt wurden, sind ein weiterer Aspekt der systematischen Verfolgung und Unterdrückung, die in dieser Zeit stattfand. Über 165 solcher Veranstaltungen fanden statt, wobei viele der betroffenen Orte heute mit Mahnmalen oder Erinnerungstafeln ausgestattet sind. Trotz des Bewusstseins um die Bücherverbrennungen ist vielen nur die bekannteste am 10. Mai 1933 in Berlin ein Begriff, bei der etwa 25.000 Bücher verbrannt wurden. Diese brutale Aktion, durchgeführt von SA, Hitlerjugend und nationalsozialistischen Studenten, hatte einen volksfestartigen Charakter und diente der Einschüchterung politischer Gegner.
Die ersten Bücherverbrennungen wurden bereits kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten organisiert. In Städten wie Karlsruhe wurden Bücher aus Buchhandlungen und Bibliotheken geraubt und verbrannt. Es gibt drei Phasen der Bücherverbrennung: die Einschüchterung, die systematischen Verbrennungen und die Aktionen nach dem 10. Mai 1933. Erst nach 1945 begannen die ersten Gedenkbestrebungen, um an diese Gräueltaten zu erinnern, wobei der „Tag des freien Buches“ 1947 eingeführt wurde. Die Erinnerung an diese schrecklichen Ereignisse bleibt auch heute von Bedeutung und bedarf ständiger Aufmerksamkeit.
Die Bedeutung des Gedenkens
In Penzing, wie auch in vielen anderen Städten, ist das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus und die Bücherverbrennungen ein wichtiger Teil der Erinnerungskultur. Projekte wie „Verbrannte Orte“ dokumentieren die historischen Stätten der Bücherverbrennungen und fördern das Gedenken. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist nicht nur eine Frage des Respekts gegenüber den Opfern, sondern auch eine Verpflichtung gegenüber zukünftigen Generationen, die aus der Geschichte lernen sollen. In einem Land, das sich seiner Geschichte bewusst ist, hat das Gedenken einen festen Platz im gesellschaftlichen Diskurs und in der politischen Bildung.