Wien, 9. Juli 2026 – Inmitten der urbanen Hektik der Bundeshauptstadt wird oft vergessen, welche Schätze in den Wäldern Österreichs verborgen liegen. Global 2000 hat nun eine Karte veröffentlicht, die die schützenswerten Naturwälder des Landes erstmals kartiert. Dabei zeigt sich, dass Österreich zwar zu fast 50% von Wäldern bedeckt ist, aber echte Naturwälder sehr rar sind. Dominik Linhard, Biodiversitätsexperte bei GLOBAL 2000, bringt es auf den Punkt: „Es ist erschreckend, wie wenig wir über den Bestand an Naturwäldern wissen.“ Mit einem Flächenumfang von 2706,7 km², was rund 7% des Gesamtwaldbestandes entspricht, hat die Karte eine wahre Schatztruhe an potenziellen Naturwald-Juwelen aufgedeckt.

Die größten Flächen dieser schützenswerten Naturwälder finden sich in den Bundesländern Tirol, Steiermark, Salzburg und Kärnten. Diese Wälder sind nicht nur wichtig für die Artenvielfalt, sondern auch für den Klimaschutz, da sie als Kohlenstoffsenken fungieren und uns gleichzeitig vor extremen Wetterereignissen schützen. Die jetzt vorliegende Kartierung wurde durch eine sorgfältige Analyse von Gebietskenntnissen, Luft- und Satellitenbildern sowie öffentlichen Geodaten erstellt und von der TU Wien statistisch überprüft.

Die Bedeutung der Biodiversität

Doch was genau macht diese Naturwälder so besonders? Die Biodiversität, also die Vielfalt an Arten, Genen und Ökosystemen, ist entscheidend für die Stabilität der Wälder. Hohe Artenvielfalt sorgt dafür, dass die Wälder widerstandsfähiger gegenüber Umweltveränderungen sind. Schlüsselarten wie Spechte und Bienen spielen eine zentrale Rolle im Ökosystem. Und wenn man darüber nachdenkt, wird klar, dass der Erhalt dieser Lebensräume nicht nur für die Natur, sondern auch für uns Menschen von großer Bedeutung ist. Denn Wälder bieten uns nicht nur Holz und Sauerstoff, sondern auch eine Reinigung von Luft und Wasser sowie die Bildung fruchtbarer Böden.

Die Kartierung zeigt, dass in Wien nur 9,1 km² als Naturwald-Verdachtsfläche verzeichnet sind – das sind gerade mal 10,9% der Waldfläche. Linhard fordert daher, dass die gewonnenen Daten ernsthaft in die politischen Entscheidungen einfließen und ein Schulterschluss zwischen Naturschutz, Politik und Grundbesitzern notwendig ist. Nur so können wir sicherstellen, dass diese wertvollen Ökosysteme nicht weiter gefährdet werden.

Die Herausforderungen und Chancen

Die Herausforderungen sind also beträchtlich, aber sie bieten auch Chancen. Mischbestände, die verschiedene Baumarten kombinieren, sind widerstandsfähiger gegenüber Kalamitäten. Darüber hinaus sind Projekte wie das Förderprogramm „Nachhaltige Erneuerbare Ressourcen“ und der Waldklimafonds wichtige Schritte in die richtige Richtung, um die Biodiversität zu schützen. Hier wird deutlich, dass der Schutz der biologischen Vielfalt nicht nur in Naturwäldern, sondern auch in Wirtschaftswäldern von großer Bedeutung ist.

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Die Kombination aus wissenschaftlicher Forschung und praktischen Maßnahmen wird entscheidend sein. Mischwälder, die reich an Totholzstrukturen sind, können nicht nur die Artenvielfalt erhöhen, sondern auch die Stabilität der Wälder fördern. Der Verlust der Biodiversität hat in der Vergangenheit bereits gezeigt, wie stark die Bereitstellung von Ökosystemleistungen eingeschränkt werden kann. Es liegt an uns, diesen Trend umzukehren.

In einer Zeit, in der der Klimawandel immer drängender wird, ist es wichtiger denn je, die Naturwälder zu schützen und zu fördern. Die Ergebnisse der Kartierung sind ein wichtiger erster Schritt, um diesen Schatz zu bewahren. Österreich hat das Potenzial, ein Vorreiter im Naturschutz zu sein – es liegt an uns, diese Chance zu ergreifen.