Am 11. Juni 2026 fand ein spannendes Podiumsgespräch in Neubau statt, das die Zukunft der österreichischen Bauordnung und die Bedeutung von Bestandsgebäuden in den Fokus rückte. Die Podiumsteilnehmer, darunter Christiane Teschl-Hofmeister, Manfred Wehdorn, Caren Ohrhallinger und Sophie Ronaghi-Bolldorf, diskutierten leidenschaftlich über die Herausforderungen und Möglichkeiten, die sich im Bereich der Sanierung und des Umbaus ergeben.

Ein Highlight der Veranstaltung war die interaktive Wortwolke, die zentrale Begriffe wie „Wohnrecht anpassen“, „zerstörungsfreie Bestandsuntersuchung“ und „Werterhaltung“ zusammenbrachte. Diese Begriffe spiegeln nicht nur die Herausforderungen wider, sondern auch die Chancen, die in der Sanierung von Bestandsgebäuden stecken. Manfred Wehdorn äußerte sich kritisch über die Vielzahl an Bauordnungen in Österreich, die den Föderalismus anprangern. Er sieht darin ein Hindernis für die effiziente Umsetzung von Bauprojekten. Gleichzeitig betonte Caren Ohrhallinger, dass die Bauordnung klug strukturiert sei und Raum für Abweichungen biete.

Bauordnung im Wandel

Christiane Teschl-Hofmeister forderte pragmatische Änderungen, insbesondere durch eine „Umbauordnung“, die Sanierungsfragen verbessern soll. Die kürzlich verabschiedete Novelle, die beispielsweise den Vollausbau des dritten Obergeschosses in der zweiten Bauklasse ermöglicht, geht in die richtige Richtung. Diese Veränderungen könnten dazu beitragen, die gesellschaftliche Haltung gegenüber Bestandsgebäuden zu verändern. Teschl-Hofmeister plant, rund fünf Prozent der Normen zu überarbeiten – ein Schritt, der für viele Bauträger von Bedeutung ist.

Ein weiteres spannendes Thema war die Haftungsfrage, die Sophie Ronaghi-Bolldorf ansprach. Sie forderte eine Angleichung von Bau- und Zivilrecht, um rechtliche Unsicherheiten zu minimieren. Auch Wehdorn hob die wirtschaftlichen Folgen einer Überregulierung hervor, insbesondere die steigenden Planungskosten, die oft die Umsetzung von energieeffizienten Maßnahmen im Bestand behindern. Das Publikum äußerte Bedenken, dass bestehende Regularien zu viel Zeit und Geld kosten könnten.

Chancen der Krise

Einigkeit herrschte über die Notwendigkeit, die gesellschaftliche Haltung zum Bestand und zur Sanierung zu überdenken. Teschl-Hofmeister machte deutlich, dass die aktuelle Krise auch Chancen für gemeinnützige Bauträger birgt, die die Sanierung als Möglichkeit für nachhaltige Entwicklungen entdeckt haben. Ohrhallinger forderte alternative Modelle wie Baugruppen, um Altbestände zu erhalten und gleichzeitig innovative Wohnkonzepte zu schaffen. Die Diskussion über Naturschutz und die damit verbundenen Kosten, etwa für den Schutz von Fledermäusen, zeigte, wie komplex die Materie ist.

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Ronaghi-Bolldorf thematisierte außerdem die Notwendigkeit einer CO₂-Bilanz bei der Abwägung von Neubau versus Bestand. Es wird immer klarer, dass die Zukunft in der Sanierung und der intelligenten Nutzung bestehender Gebäude liegt, nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus ökonomischen Gründen.

Am Ende des Abends blieben Schlagworte wie „Zukunftsfähigkeit“, „ganzheitliche Lösungen“, „Synergien“ und „Vereinfachung“ im Raum stehen. Diese Diskussion war nicht nur ein Austausch von Ideen, sondern ein Aufruf zur Veränderung. Die Herausforderungen sind groß, aber die Möglichkeiten, die sich ergeben, sind es ebenso. Es bleibt spannend, wie sich die Baukultur in Österreich entwickeln wird.