Neubau im Wandel: Tourismusboom trifft auf Wohnungsnot
Heute ist der 12.07.2026, und ich sitze hier am Sankt-Ulrichs-Platz im 7. Wiener Gemeindebezirk Neubau, umringt von der morgendlichen Hitze, die sich wie ein warmer Teppich über die Stadt legt. Trotz der drückenden Temperaturen ist dieser Platz ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt. Man kann die Lebendigkeit dieser Gegend förmlich spüren – Cafés, Bars und Boutiquen reihen sich aneinander, und die hohe Dichte an jungen Menschen gibt dem Ganzen einen besonderen Charme. Früher war Neubau eine studentisch geprägte Gegend mit günstigen Wohnungen, doch mittlerweile hat sich das Bild gewandelt. Es ist zum Hotspot des urbanen Tourismus geworden.
Die Zahlen sind beeindruckend: Über eine Million Nächtigungen pro Jahr! Und der Bezirkschef Markus Reiter, der die Interessen der etwa 35.000 Einwohner auf 1,6 Quadratkilometern vertritt, hat im Herbst 2022 Maßnahmen ergriffen, um den Zustrom von Touristen in den Griff zu bekommen. Er ließ Schlüsselboxen von mutmaßlich illegalen Airbnb-Quartieren entfernen und fordert ein Verbot der illegalen Kurzzeitvermietung. Denn die Probleme sind nicht zu übersehen: nächtliche Ruhestörungen, falsches Klingeln und Müllprobleme machen den Anwohnern das Leben schwer.
Regulierung der Kurzzeitvermietung
Der Tourismus in Wien boomt, das ist unbestreitbar. Zwischen 2018 und 2022 stiegen die Übernachtungszahlen von 17,6 Millionen auf über 20 Millionen. Die Stadtregierung sieht in diesem Trend steigende Umsätze und eine Wertschöpfung von jährlich 5,3 Milliarden Euro. Doch während der Tourismus floriert, leidet der Wohnungsmarkt. Die Zahl der kurzzeitvermieteten Wohnungen ist von 3.000 im Jahr 2015 auf 12.000 im Jahr 2023 gestiegen. Das führt zu einem regelrechten Wettlauf um die wenigen verfügbaren Wohnräume.
Um dem entgegenzuwirken, wird ab Juli 2024 eine neue Regelung in Kraft treten: Wohnungen dürfen dann nicht mehr als 90 Tage im Jahr an Touristinnen vermietet werden. Das Ziel? Weniger Wohnungen dem Markt zu entziehen und sie für die Bürgerinnen verfügbar zu halten. Vermietungen über diese Grenze hinaus setzen die Zustimmung aller Wohnungseigentümerinnen und eine Ausnahmebewilligung voraus. In diesem Jahr sind bereits 709 Anträge auf Kurzzeitvermietung bei der Baupolizei eingegangen, und die Kontrolle erfolgt sowohl durch Internet-Recherche als auch durch persönliche Begutachtungen vor Ort.
Die Sicht der Stadtregierung
Die Stadtregierung von Wien plant, die Regeln für Airbnb weiter zu verschärfen. Ein verpflichtendes Register und Mindestanforderungen an die Zimmeranzahl sollen eingeführt werden, um die Situation zu regulieren. Reiter hat klare Vorstellungen: Er möchte, dass Airbnbs nur außerhalb der Wiener Gründerzeit-Innenstadt angeboten werden. Aber die Vermieter finden immer wieder kreative Wege, um die Regulierungen zu umgehen – alte Fahrräder werden dann gerne als Schlüsselboxen genutzt, um die Vorschriften zu umgehen.
Doch was passiert, wenn man sich nicht an die neuen Regeln hält? Strafen bis zu 50.000 Euro können drohen, und die Zahl der Anzeigen wegen unrechtmäßiger Vermietung ist bereits gestiegen. 337 Anzeigen wurden bis Ende 2024 registriert, und die Kontrolle durch die Baupolizei wird auch in Zukunft nicht nachlassen. Anrainerinnen haben die Möglichkeit, detaillierte Anzeigen zu erstatten, um gegen unzulässige Kurzzeitvermietungen vorzugehen.
Wien hat strenge Mieterschutzgesetze, und die neue Bauordnungsnovelle von 2023 bringt zusätzliche Einschränkungen mit sich. Ab Juli 2024 wird es nur noch mit einer maximal fünf Jahre befristeten Ausnahmebewilligung möglich sein, Wohnungen außerhalb von Wohnzonen für Kurzzeitvermietungen zu nutzen. Das sorgt für Aufregung und Diskussionen in der Stadt, denn es könnte die Wohnsituation vieler Wiener*innen nachhaltig verändern.
Die Frage bleibt: Wie wird sich der Tourismus in Wien entwickeln? Ist ein Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen der Touristen und den Anwohnern möglich? Die Antworten darauf sind alles andere als klar, und so bleibt das Geschehen in Neubau und darüber hinaus weiterhin spannend.
