Fitnessgeräte auf dem Friedhof: Zwischen Trauer und Training
Auf dem Meidlinger Friedhof in Wien tut sich etwas. An einem Ort, der traditionell für stille Gedenkminuten und Trauer genutzt wird, sind neue Fitnessgeräte aufgestellt worden. Ja, genau! Fitnessgeräte! Das hat für einige Aufregung gesorgt. Die einen finden die Idee klasse, besonders Gesundheitsbewusste und Angehörige, die vielleicht ein wenig Bewegung in der frischen Luft suchen. Andere, vor allem aus der rechten Opposition, finden das Ganze schlichtweg „pietätlos“. Und ehrlich gesagt, da könnte man sich auch fragen: Ist das wirklich der richtige Platz für Klimmzüge und Co.?
Die Kritiker argumentieren, dass diese Geräte die Ruhe und den stillen Gedenkraum stören könnten. Man könnte sich vorstellen, dass ein kräftiges „Ziehen und Drücken“ neben einem Grab nicht unbedingt die gewünschte Atmosphäre schafft. Dennoch hat der Friedhof bereits einen parkähnlichen Charakter und wird von vielen Menschen für Spaziergänge genutzt. Das ist auch das Ziel von Bestattung Wien, die diesen Ort als Begegnungszone fördern wollen. Neben den Fitnessgeräten sind sogar „Plauderbankerln“ geplant – eine Einladung zum Austausch, während man vielleicht auf dem Weg zum nächsten Training einen kurzen Stopp einlegt.
Ein ambivalentes Echo
Die Meinungen darüber gehen auseinander. Anwohner wie die Dolmetscherin Gabriele äußern sich ambivalent zu den neuen Geräten. Sie findet die Idee zwar etwas verrückt, befürwortet aber das Feiern des Lebens. Schließlich sind Friedhöfe nicht nur Orte des Abschieds, sondern auch des Gedenkens und der sozialen Interaktion. Der Liedermacher Alexander Miksch nimmt die Situation mit einem Schmunzeln zur Kenntnis, hat jedoch keine Absicht, selbst an den Geräten zu trainieren. „Das hat für mich nichts mit der Ruhe zu tun, die ich hier suche“, könnte man sich denken.
Und was sagen die Verantwortlichen? Die Platzierung der Fitnessgeräte erfolgt so, dass sich niemand gestört fühlen sollte. Man kann also annehmen, dass es eine Art von Rücksichtnahme gibt, die manch einen Skeptiker vielleicht besänftigen könnte. Das Ganze ist Teil eines größeren Trends, der Friedhöfe verwandelt. Diese Orte sind nicht mehr nur stumm und bedrückend, sondern sollen auch Raum für Begegnung und Naherholung bieten. Das hat auch mit dem Modellprojekt „Friedhof 3.0“ zu tun, das seit Herbst 2022 in Kaiserslautern läuft und zeigt, wie lebendige Orte des Austauschs geschaffen werden können.
Friedhöfe als Orte des Lebens
Gerade in einer Zeit, in der wir immer mehr Wert auf Gesundheit und soziale Kontakte legen, ist es interessant zu sehen, wie Friedhöfe als Orte des Lebens neu interpretiert werden. Sie sind nicht nur für Bestattungen gedacht, sondern auch für kulturellen Austausch und Erholung. Eine spannende Entwicklung, die vor allem auch die Herausforderungen für Friedhofsträger sichtbar macht. Wie kann man Tradition und Innovation miteinander verbinden? Diese Fragen stehen im Raum und die Diskussion darüber ist eröffnet.
Das, was auf dem Meidlinger Friedhof passiert, ist also mehr als nur ein skurriles Experiment. Es könnte ein Zeichen sein für einen Wandel, der auch andere Friedhöfe in Österreich und darüber hinaus betrifft. Vielleicht wird der Ort bald nicht nur als Ruhezone, sondern auch als Raum für Begegnungen und Lebensfreude wahrgenommen. Und wer weiß, vielleicht wird es ja bald einen Wettbewerb um die kreativsten Fitnessgeräte auf Friedhöfen geben. „Klimmzüge im Gedenken“ – klingt das nicht nach einer neuen Sportart?
