Amon’s Erbe: Von der Gastwirtschaft zur Wohnkultur in der Landstraße
In der Landstraße, einem der lebhaftesten Viertel Wiens, wird gerade Geschichte geschrieben. Ja, es ist wahr: Das traditionsreiche „Amon’s Gastwirtschaft“, ein Ort, der seit 1904 von der Familie Amon betrieben wird, hat am 15. Juli 2023 nach 119 Jahren für immer seine Türen geschlossen. Ein Ort, wo Kutscher und später Straßenbahner zusammenkamen, um bei einem Bier zu plaudern und die Sorgen des Alltags zu vergessen. Doris und Leopold Amon, die das Lokal in der vierten Generation führten, sind nun bereit, einen neuen Abschnitt zu beginnen.
Ein Spatenstich für das Projekt „Noma Living“ fand kürzlich in der Schlachthausgasse 13 statt. Mit dabei waren Bezirksvorsteher Erich Hohenberger (SPÖ) und Dompfarrer Toni Faber. Die Amons werden an dieser Stelle zwei neue Wohnbauten errichten, die aus 26 Eigentumswohnungen und 15 Mietwohnungen bestehen. Der Verlust des geliebten Wirtshauses schmerzt, das ist klar. Hohenberger äußerte gemischte Gefühle, als er die neuen Pläne der Familie Amon begutachtete. Aber die Hoffnung auf frisches Leben in der Nachbarschaft überwiegt.
Ein neuer Anfang in alten Mauern
Das Gebäude, in dem einst das Wirtshaus untergebracht war, wurde 1875 erbaut. Die Amons haben in dieser Zeit so viel erlebt. Doris, die 1990 in die Familie einheiratete, und ihr Mann Leopold IV. sind nicht nur Gastronomie-Profis, sondern auch Hüter einer langen Tradition. Ihre Tochter Melanie ist ebenfalls Teil des Unternehmens und wird künftig die Leitung übernehmen. Die Familie plant, eine neue Adresse im Dritten Bezirk zu finden, um die Tradition fortzuführen und den Namen Amon lebendig zu halten. Ein Schritt ins Ungewisse, aber auch voller Möglichkeiten!
Die Bauarbeiten für „Noma Living“ sind bereits seit April im Gange. Die Amons kümmern sich sogar um die Verpflegung der Bauarbeiter, was einen schönen, familiären Touch hat. Lehrlinge des Bauunternehmens Handler sind aktiv am Projekt beteiligt, insbesondere beim Wiederaufbau des historischen Weinkellers. Es gibt hier einen klaren Fokus auf die Verbindung von Neuem und Altem – eine Hommage an die Geschichte, die hier einmal lebendig war.
Verkaufserfolg und Ausblick
Bislang wurden bereits 40 Prozent der Eigentumswohnungen verkauft. Immobilienmakler Philipp Trattner hebt die Lage, das Konzept und die Geschichte des Hauses als Verkaufsargumente hervor. Wer könnte da widerstehen? Die Aussicht, in einem neuen Zuhause zu wohnen, das auf den Grundmauern eines so geschichtsträchtigen Ortes steht, hat ihren eigenen Charme.
Und so schließt sich ein Kapitel, während ein neues beginnt. Der Verlust des Wirtshauses hinterlässt eine Leere, die schwer zu füllen ist. Doch die Vorfreude auf das, was kommt, ist spürbar. „Noma Living“ soll bis zum 4. Quartal 2027 fertiggestellt sein und die Landstraße um ein weiteres Stück Lebensqualität bereichern. Ein neuer Treffpunkt wird entstehen, vielleicht nicht mehr für Kutscher und Straßenbahner, aber für all jene, die das Leben in dieser vielfältigen Stadt lieben.
