In den letzten Jahren hat sich die Kriminalität in Österreich in eine bemerkenswerte Richtung entwickelt. Günther Ogris, der Vorsitzende des dema!nstituts, bringt es auf den Punkt: Die Zahl der Verurteilungen sinkt kontinuierlich. Ein Blick auf die Statistiken zeigt, dass die Verurteilungen seit 1959 um beeindruckende 78 % gesunken sind – von über 123.000 auf etwa 27.000. Das hat sicher viele überrascht, denn laut einer IPSOS-Studie bleibt Kriminalität für viele Menschen ein großes Sorgenkind. Komisch, oder? Die Realität sagt etwas anderes als das Bauchgefühl vieler Österreicher.
Die Bevölkerungszahl ist zwar gestiegen, und auch die Aufklärungsquote der Polizei hat sich verbessert. Aber die Verurteilungen wegen Eigentumsdelikten und Gewaltverbrechen nehmen ab. Ein Blick in die frühen 2000er-Jahre zeigt, dass es damals etwa 10.000 Verurteilungen wegen Gewaltverbrechen pro Jahr gab – 2024 sollen es nur noch etwa 5.000 sein. Bei all diesem Rückgang ist die Kriminalitätsrate pro Kopf um 43 % auf 302 Verurteilungen pro 100.000 Einwohner gesunken. In Wien, der pulsierenden Hauptstadt, ist die Zahl der Verurteilungen ebenfalls gesunken, obwohl die Bevölkerung um ein Drittel gewachsen ist.
Die Wahrnehmung der Sicherheit
Laut der IPSOS-Studie aus dem Jahr 2025 glaubt ein Viertel der Befragten, dass sich die Sicherheit in Österreich verschlechtert hat. Dabei fühlen sich nur 49 % der Wiener sicher. Zum Vergleich: Außerhalb Wiens sind es 64 %. Gewalttaten gelten als größte Bedrohung für die persönliche Sicherheit. Das Innenministerium meldet für 2025 die höchste Zahl an Tatverdächtigen seit zehn Jahren: 345.095. Der Anteil ausländischer Tatverdächtiger lag bei 47,7 %, was einem Anstieg von 4,8 % entspricht. Ein interessanter Punkt, den Ogris anführt: Tatverdächtige können in den Polizeistatistiken mehrfach gezählt werden. Ein Einbrecher kann also für mehrere Delikte in einer Statistik auftauchen, was die Zahlen in die Höhe treiben kann.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) erfasst die Entwicklung des kriminellen Geschehens in Österreich. Seit 2001 werden alle angezeigten Fälle elektronisch registriert. Das hat die strategische Planung kriminalpolizeilicher Maßnahmen enorm verändert. Allerdings erfasst die PKS nur die Fälle, die der Polizei angezeigt und an das Gericht übermittelt wurden. Dunkelfeld der Kriminalität oder die Ausgangslage von Gerichtsverfahren bleiben außen vor. Die PKS wird laufend an gesetzliche Änderungen und gesellschaftliche Phänomene angepasst, also ein lebendiger Organismus sozusagen.
Aktuelle Statistiken und Trends
Das Jahr 2023 zeigt mit 528.010 Anzeigen einen Anstieg von 8 % im Vergleich zu 2022. Besonders auffällig ist die Eigentumskriminalität mit 162.242 Delikten und die Gewaltkriminalität, die um 8,3 % auf 85.374 Delikte gestiegen ist. Internetkriminalität hat mit 65.864 Delikten einen neuen Höhepunkt erreicht. Auch die organisierten Verbrechen sind nicht zu vernachlässigen – 40.333 Delikte wurden hier verzeichnet. Die Aufklärungsquote liegt bei über 52 %, was einen Lichtblick in dieser ganzen Statistik darstellt.
Die Zahlen sind also ein bisschen wie eine Achterbahnfahrt – es gibt Hochs und Tiefs. Im Bereich der Vergewaltigungen etwa gab es einen Anstieg um 13 % auf 1.287 angezeigte Straftaten, während die Aufklärungsquote bei 81,7 % liegt. Auch bei den Morden, die angezeigt wurden – 208 insgesamt – ist die Aufklärungsquote mit 89,4 % sehr hoch. Man könnte fast meinen, die Statistiken sind ein eigenes Kapitel für sich. So vielschichtig wie die Menschen, die sie betreffen.
Und so bleibt die Kriminalität auch weiterhin ein komplexes Thema. Österreich ist heute sicherer als vor Jahrzehnten – das sagt Ogris jedenfalls. Doch die öffentliche Wahrnehmung wird oft durch politische Kommunikation beeinflusst. Wenn man sich die Daten und Statistiken anschaut, könnte man fast das Gefühl haben, dass das Bild der Kriminalität über das, was tatsächlich geschieht, hinausgeht. Irgendwie ist es beruhigend und beunruhigend zugleich. Woher das kommt, bleibt ein Rätsel. Aber die Zahlen sind da und erzählen eine Geschichte, die vielschichtig und tiefgründig ist.
