Marianne Nentwich, eine der bekanntesten Persönlichkeiten des österreichischen Theaters, hat in der Josefstadt ein bemerkenswertes Kapitel geschlossen. Nach einer beeindruckenden Karriere, die 1964 begann, wird sie am 29. April mit der Uraufführung von Peter Turrinis „Was für ein schönes Ende“ von der Bühne der Josefstadt Abschied nehmen. Ihre Zeit am Theater war geprägt von bedeutenden Rollen und einem unerschütterlichen Engagement, das sie über sechs Jahrzehnte hinweg zeigte.
Nentwich, die am 22. Juli 1942 in Wien geboren wurde, wuchs in einem von Literatur und Theater geprägten Umfeld auf. Ihr Vater, ein Mittelschullehrer, förderte ihre Interessen, auch nachdem er aus dem Krieg zurückgekehrt war. Nach der Matura und vier Jahren als Stenotypistin beim Rundfunk wagte sie den Schritt zur Schauspielschule, wo sie ohne Casting vor die Kamera gesetzt wurde. Ihre erste Rolle in „Ein schöner Herbst“ (1964) wurde der Beginn einer langen und fruchtbaren Beziehung zur Josefstadt.
Ein Leben für die Bühne
Während ihrer beeindruckenden Laufbahn spielte Nentwich in zahlreichen Produktionen und hinterließ bleibende Eindrücke. Zu ihren bekanntesten Rollen zählen die Marschallin im „Rosenkavalier“ und die Helene in „Der Schwierige“. Trotz ihrer Unzufriedenheit mit der Leitung des Theaters blieb sie der Josefstadt treu, auch als die Arbeit unter Herbert Föttinger, der sie als besten Chef der letzten 20 Jahre bezeichnete, zu Ende ging. Seine Nachfolgerin, Marie Rötzer, entschied jedoch, Nentwich keine neuen Verträge und auch keine Gastauftritte anzubieten, was für die Schauspielerin einen schmerzhaften Einschnitt darstellt.
„Ich war das saubere Mädchen“, erklärte Nentwich in einem Interview und verwies auf ihre langjährige Verbundenheit zur Josefstadt, die sie unwiderruflich nicht mehr betreten wird. Ihre Entscheidung, sich von diesem Ort zu trennen, markiert nicht nur das Ende einer Ära, sondern auch einen tiefen Einschnitt in ihr künstlerisches Leben. Die Zuschauer und Kollegen werden die Doyenne des Ensembles schmerzlich vermissen.
Der Abschied von der Josefstadt
Marianne Nentwich ist nicht nur eine Schauspielerin, die durch Fernsehserien wie „Das Ringstraßenpalais“ und „Schlosshotel Orth“ Bekanntheit erlangte, sie ist auch ein Zeugnis einer ganzen Generation von Theatermachern, die sich mit Leidenschaft und Hingabe dem Bühnenleben verschrieben haben. Ihre letzten Auftritte werden noch einmal die Vielseitigkeit und das Können dieser außergewöhnlichen Künstlerin in den Vordergrund rücken. Der Abschied von der Josefstadt wird ein emotionales Ereignis für viele, die ihre Kunst über die Jahrzehnte hinweg erlebt haben.
Mit ihrem Abschied aus der Josefstadt endet nicht nur eine beeindruckende Karriere, sondern auch ein Stück Theatergeschichte. Marianne Nentwich wird in den Herzen ihrer Zuschauer und in den Geschichtsbüchern des Theaters einen bleibenden Platz haben. Ihre Beiträge zur österreichischen Theaterlandschaft sind unermesslich, und ihre Einflüsse werden noch lange nachhallen.