Am Mittwochnachmittag, als die Sonne über Wien strahlte, kam es zu einem ganz besonderen Naturschauspiel am Stephansdom. Ein Bienenschwarm hatte sich auf der beeindruckenden Fassade des Doms niedergelassen, und das in einer Anzahl, die Passanten dazu veranlasste, den Notruf zu wählen. Man stelle sich vor: Hunderte von Bienen, die summend um die gotischen Türme schwirren – ein Bild, das sowohl faszinierend als auch ein wenig beunruhigend ist!
Die Berufsfeuerwehr Wien wurde umgehend alarmiert, und ein Imker machte sich auf den Weg, um die Situation zu klären. Lukas Schauer, Sprecher der Feuerwehr, bestätigte den Einsatz und die Notwendigkeit, das Bienenvolk sicher zurückzuführen. Leserreporter von „Heute“ hielten das Geschehen mit ihren Handys fest und filmten den Imker, der mit einem speziellen Spray arbeitete. Ein kurzer Blick, ein Peace-Zeichen zur Kamera – der Imker schien die Situation mit einem gewissen Humor zu nehmen.
Ein Schwarm auf Abwegen
Was viele vielleicht nicht wissen: Das Wetter im Frühjahr war heuer außergewöhnlich günstig für Bienen. Die warmen Temperaturen sorgten dafür, dass die kleinen Tierchen genug Nektar sammeln konnten, was jedoch zu Platzmangel in ihren Stöcken führte. In der Folge verlässt etwa die Hälfte des Bienenvolkes mit der alten Königin den Stock, auf der Suche nach einem neuen Zuhause. Dies kann man sich wie ein spontanes Abenteuer vorstellen: Kundschafterbienen fliegen umher, auf der Suche nach geeigneten Hohlräumen, während der Schwarm an einem Ort wie einem Kirchturm oder einer Hausfassade dicht zusammenhängt.
Innerhalb von etwa zwei Tagen müssen diese fleißigen Wesen einen neuen Unterschlupf finden, bevor sie sich wieder auf den Weg machen. Es ist, als ob sie ein kleines Stück Natur mit in die Stadt bringen – und das mitten im Herzen von Wien!
Warum Bienen so wichtig sind
Honigbienen sind nicht nur ein hübscher Anblick, sie spielen auch eine entscheidende Rolle in unserem Ökosystem. Sie gelten als die drittwichtigsten Nutztiere nach Rind und Schwein und tragen mit ihrer Bestäubungsarbeit maßgeblich zur Ernte von Obst und Gemüse bei. Ein Bienenvolk hat ein Sammelgebiet von etwa 50 Quadratkilometern und fliegt für 500 Gramm Honig rund 40.000 Mal aus – das sind schier unglaubliche 120.000 Kilometer! Man kann sich vorstellen, wie viel Arbeit und Teamgeist in einem Glas Honig steckt.
Für ein 500-Gramm-Glas echten deutschen Honigs werden bis zu 2.000.000 Pflanzen angeflogen und etwa 7.500.000 Blüten bestäubt. Und trotzdem: weniger als 1 % der Imker betreiben die Imkerei erwerbsmäßig, die meisten halten bis zu 25 Bienenvölker. Das zeigt, wie viel Leidenschaft und Hingabe hinter dieser Arbeit steckt. Ein echter Superorganismus, könnte man sagen – die Bienen sind voneinander abhängig und tragen gemeinsam zu unserem Wohl bei.
Nachdem der Imker und die Feuerwehr den Schwarm am Stephansdom erfolgreich zurückgebracht hatten, verließen die Kräfte den Ort, während die Bienen sich in ihr neues Zuhause zurückzogen. Ein kleines Abenteuer, das nicht nur die Teilnehmer, sondern auch die Zuschauer in seinen Bann zog. Ein weiteres Kapitel in der lebendigen Geschichte der Stadt Wien, das zeigt, wie Natur und urbanes Leben manchmal auf unerwartete Weise aufeinandertreffen.