Wurzeln der Zukunft: Elias Götz und die regenerative Landwirtschaft
Es gibt Geschichten, die das Herz erwärmen und gleichzeitig die Augen für die Möglichkeiten der Zukunft öffnen. Elias Götz, ein 26-jähriger Steirer, ist so eine Geschichte. Ursprünglich ohne großes Interesse an der Landwirtschaft, zog es ihn nach St. Gallen, wo er „Business, Management und Marketing“ studierte. Nach ein paar Jahren in der Welt der Investmentgesellschaften hat ihn die Corona-Krise zurück zu seinen Wurzeln auf den elterlichen Hof in St. Veit gezogen. Und das war erst der Anfang einer faszinierenden Reise.
Am Helle-Hof in Deutschland entdeckte Elias die regenerative Landwirtschaft – ein Konzept, das nicht nur das Klima, sondern auch die Böden in den Mittelpunkt stellt. Hier wird nicht einfach nur angebaut; es geht um die Erhaltung und Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit, um einen positiven Einfluss auf das Klima und den Artenschutz. Die Familie Götz hat diesen Ansatz jetzt auch auf ihrem eigenen Hof verankert. Wo früher Mais als Monokultur wuchs, sprießen nun ein bunter Mix aus Salat, Fenchel, Petersilie und stolzen 24 Paradeisersorten – darunter auch die schmackhaften Pimientos de Padrón.
Regenerative Landwirtschaft: Ein neuer Weg
Elias beschreibt seinen Anbau als kleinstrukturiert, vielfältig und ökologisch. Er setzt auf einen gesunden Boden, der nicht nur hohe Erträge bringt, sondern auch hochwertige Lebensmittel. Das Besondere? Große Maschinen sucht man hier vergeblich. Mit einer Grabegabel wird der Boden bearbeitet – das mag altmodisch erscheinen, aber es ist effektiv und nachhaltig. 80 % seines Gemüses verkauft Elias an die Gastronomie, darunter auch bekannte Grazer Gaststätten. Der Rest findet über einen Pop-up-Laden oder direkt am Hof den Weg zu den Kunden. Ein Erfolg, der nicht nur im Geschmack, sondern auch in der Philosophie der regenerativen Landwirtschaft verankert ist.
Wusstest du, dass die regenerative Landwirtschaft in Deutschland oft noch ein Schattendasein fristet? Trotz ihrer vielen Vorteile wird sie in politischen und wissenschaftlichen Debatten selten erwähnt. Ein Bericht von NABU und Boston Consulting Group hebt hervor, dass die Agrar- und Ernährungswirtschaft sowohl Hauptverursacher der Klimakrise als auch stark von ökologischen Krisen betroffen ist. Die globale Ernährungskrise verschärft sich, und der Zugang zu gesunder Nahrung wird immer mehr zum Luxus. Elias Götz und viele andere Landwirte setzen sich aktiv gegen diese Tendenzen zur Wehr.
Ein Weg in die Zukunft
Regenerative Landwirtschaft bietet nicht nur eine Lösung, sondern auch einen Weg, um die Abhängigkeit von der Agrarindustrie zu verringern. Sie hilft dabei, regionale Stoffkreisläufe zu schließen und die Biodiversität zu regenerieren. Das bedeutet letztlich auch eine gesicherte Nahrungsversorgung für die kommenden Generationen. Und das alles, während Landwirte ihre Gewinne um bis zu 60 Prozent steigern können. Ein klarer Vorteil, der durch die gesteigerte Resilienz der Erträge unterstrichen wird. Die Prinzipien der Conservation Agriculture, wie minimale Bodeneingriffe und vielfältige Fruchtfolgen, sind dabei essenziell. Es geht nicht nur um das, was oben wächst, sondern auch um das, was darunter lebt – die kleinen Helfer wie Pilze und Bakterien im Boden.
Die ersten Jahre in der Marktgärtnerei sind oft die schwierigsten, wie Hemma Loibnegger von der Landwirtschaftskammer Steiermark betont. Doch für Elias und seinen Hof in Unter St. Veit scheint es genau der richtige Weg zu sein. Mit jedem gesunden Gemüse, das er erntet, mit jedem Lächeln eines zufriedenen Kunden, wächst nicht nur die Ernte, sondern auch die Hoffnung auf eine nachhaltige Zukunft – und das in einer Zeit, wo der Zugang zu gesunder Nahrung immer mehr Menschen verwehrt bleibt.
