Hass im Netz ist ein Thema, das uns alle angeht, und das nicht nur in den dunklen Ecken des Internets. Alma Zadić, die österreichische Justizministerin, hat in einer kürzlichen Fragestunde eindringlich darauf hingewiesen. Sie berichtete von einer schockierenden Zahl: 25.000 Hass- und Hetznachrichten, die sie seit ihrem Amtsantritt erhalten hat. Das sind mehr als nur Zahlen – das sind persönliche Angriffe, die nicht nur Zadić, sondern viele Frauen in ähnlichen Positionen betreffen. Besonders alarmierend ist, dass viele dieser Nachrichten strafrechtlich relevant sind. Es ist fast so, als ob das Internet ein rechtsfreier Raum für solche Taten wäre.

In ihrer Ansprache betont Zadić die Dringlichkeit, betroffene Frauen zu unterstützen und ihnen den Rückhalt zu geben, den sie brauchen. Sie appelliert an die Menschen, positive Kommentare zu hinterlassen – eine kleine Geste, die viel bewirken kann. Der Gedanke, dass Frauen aus Angst den digitalen Raum verlassen könnten, ist beunruhigend. Das würde bedeuten, dass die Stimmen der Täter lauter werden, während die der Opfer verstummen. Zadić spricht sich auch gegen die Einführung einer Klarnamenpflicht aus. Schließlich gibt es bereits viele, die unter ihrem echten Namen kommentieren, und digitale Nachforschungen sind auf vielfältige Weise möglich. Stattdessen schlägt sie ein Verbot sozialer Medien für Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren vor. Das klingt nach einer vernünftigen Idee, besonders wenn man bedenkt, wie gefährlich die Algorithmen von sozialen Medien sind, die junge Menschen „fesseln“ können.

Digitale Gewalt – Ein wachsendes Problem

Doch das ist nicht nur ein österreichisches Phänomen. Laut Berichten von UN Women Deutschland wächst digitale Gewalt gegen Frauen rasant – und unter den Betroffenen sind besonders prominente und politisch engagierte Frauen. Es ist alarmierend zu hören, dass 63 Prozent der Frauen in Deutschland bereits Erfahrungen mit digitaler Gewalt gemacht haben. Die Verbreitung frauenfeindlicher Inhalte im Internet hat auch massive Auswirkungen auf die Offline-Welt. Wenn man darüber nachdenkt, ist das nicht nur ein digitales Problem, sondern ein gesellschaftliches. Influencerinnen, Journalistinnen und Politikerinnen sind besonders häufig Ziel von Hasskommentaren und Drohungen. Das sind Menschen, die oft nichts weiter tun, als ihre Meinungen zu äußern oder ihre Arbeit zu machen.

Prominente Frauen wie Josi, Carla Reemtsma und Dunja Hayali haben ihre Erfahrungen mit digitaler Gewalt öffentlich gemacht. Ruth Moschner geht sogar noch einen Schritt weiter und berichtet über sexuelle Belästigungen, die sie erlebt hat. Solche Geschichten sind nicht nur schockierend, sie sind auch ein Aufruf zur Solidarität. Organisationen wie HateAid stehen Betroffenen zur Seite, unterstützen sie bei Anzeigen und Gerichtsprozessen. Das ist wichtig, denn wie Bettina Jahn von UN Women sagt: Die Statistiken müssen verbessert werden. Ein Gesetz für umfassenden Schutz vor digitaler Gewalt könnte hier ein entscheidender Schritt sein – und genau das fordert Jahn. Es ist höchste Zeit, dass Richter und Entscheidungsträger in Bezug auf digitale und geschlechtsspezifische Gewalt geschult werden.

Das Thema ist komplex, und die Diskussion darüber wird in Österreich und darüber hinaus immer lauter. Die Petition für eine konsequente Strafverfolgung von Hasskommentaren und digitalen Drohungen hat bereits über 180.000 Unterschriften gesammelt. Menschen fordern Veränderung, und das ist ein gutes Zeichen. Es zeigt, dass wir nicht länger wegsehen dürfen, wenn es um digitale Gewalt geht. Es ist an der Zeit, dass wir alle unseren Teil beitragen, um eine sichere und respektvolle Online-Welt zu schaffen.

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