Heute, am 23. Mai 2026, beginnt in Wien ein ganz besonderes Projekt, das mit Sicherheit für Aufsehen sorgt. Die Stadt hat das „Awareness im öffentlichen Raum“ ins Leben gerufen, und dieses Jahr startet das Projekt bereits in die sechste Saison. Die drei mobilen Awareness-Teams sind bereit, durch die pulsierenden Nächte der Stadt zu ziehen und an stark frequentierten Orten wie dem Prater oder dem Stephansplatz Unterstützung zu leisten.
Diese Teams sind mehr als nur ein Sicherheitsposten. Sie bieten Entlastungsgespräche, Verweisberatung und vor allem Orientierung in oft überfordernden Situationen. Besonders wichtig ist ihre Unterstützung bei sexualisierter Gewalt sowie rassistischen und queerfeindlichen Übergriffen. Aber auch bei kleineren Verletzungen oder wenn jemand etwas verloren hat, stehen die Helfer zur Seite. Es ist eine Initiative, die nicht nur Präsenz zeigt, sondern auch ein Gefühl von Sicherheit vermittelt – und das in einer Stadt, die niemals schläft.
Ein starkes Fundament
Die Wurzeln der Awareness-Arbeit liegen in der Selbstorganisierung marginalisierter Gruppen, wie feministischen und antirassistischen Kollektiven. Sicherheit wird hier als gemeinschaftlich hergestellter Zustand betrachtet, nicht einfach nur als etwas, das von Institutionen garantiert wird. Die Teams sind darauf geschult, Schutz, Verbindlichkeit und Unterstützung zu bieten. Dabei stehen die Betroffenen im Mittelpunkt: Sie bestimmen, was für sie grenzüberschreitend war, und entscheiden, wie man ihnen helfen kann.
Die Prinzipien sind klar: Parteilichkeit, Vertraulichkeit und keine Täter*innenzentrierung sind nur einige davon. Es geht darum, die Wirkung von Handlungen zu betrachten, nicht die Absicht dahinter. Das Team ist also nicht nur ein Helfer, sondern auch ein aktiver Teil der Gemeinschaft, der Verantwortung übernimmt. In den Wochenend-Nächten, von 19 bis 4 Uhr, sind sie ab diesem Wochenende bis zum 20. September unterwegs – bereit, zu helfen, wenn es darauf ankommt.
Viel mehr als nur Hilfe
Die Awareness-Teams sind mit verschiedenen Materialien ausgestattet. Neben FFP2-Masken und Hygieneartikeln verteilen sie auch Müllsäcke und Wasser. Über ihre telefonische Erreichbarkeit unter 0800 99 91 92 oder via WhatsApp, Signal, Telegram oder SMS unter +43 677 641 002 05 sind sie jederzeit erreichbar. Das ist besonders wichtig, schließlich soll niemand in einer Notlage alleine gelassen werden.
Vor Ort wird zudem auf eine gute Vorbereitung geachtet. Klärung von Dienstzeiten, die Verfügbarkeit von Awareness-Materialien und Rückzugsräumen sind ebenso wichtig wie die Erreichbarkeit des Teams. Wenn ein Vorfall beobachtet wird, agieren die Helfer unaufdringlich, bieten Unterstützung an und dokumentieren das Verhalten. Dabei ist es wichtig, keine Polizei ohne Rücksprache zu rufen – denn die Wünsche der Betroffenen stehen immer im Vordergrund.
Ein Projekt mit Zukunft
Die Awareness-Arbeit ist also nicht nur eine technische Maßnahme, sondern eine politische Haltung. Sie fordert uns alle auf, Verantwortung zu übernehmen und zu erkennen, dass jeder von uns Teil der Lösung sein kann. Es geht um kollektive Verantwortung und darum, dass Awareness alle Anwesenden betrifft. Es ist eine Einladung zur Reflexion über unser eigenes Verhalten und unsere Wahrnehmung im öffentlichen Raum.
Für weitere Informationen und Materialien rund um die Awareness-Arbeit lohnt sich ein Blick auf die Website des Awareness Instituts. Dort finden sich wertvolle Ressourcen, die helfen, das Bewusstsein für Diskriminierung und deren Auswirkungen zu schärfen. Wien geht mit gutem Beispiel voran, und wir dürfen gespannt sein, wie die Stadt in den kommenden Monaten auf die Bedürfnisse ihrer Bewohner eingehen wird.