Lobau: Ein Kampf um die Wiederbelebung eines vergessenen Verkehrsknotens
Es ist ein leidenschaftliches Thema, das die Donaustadt schon seit über 30 Jahren bewegt. Die S80-Station „Lobau“, einst ein wichtiger Knotenpunkt für die Anwohner, wurde 2014 geschlossen. Der Grund: zu wenig Fahrgäste und hohe Sanierungskosten. Doch die Bürgerinitiative „S 80 Lobau“ gibt nicht auf. Mit jeder Faser ihres Seins setzen sie sich für die Wiedereröffnung ein, und das trotz aller Rückschläge. In einer Bezirksvertretungssitzung im Dezember sprachen sich alle Parteien für eine Rückkehr der Station aus. Ein kleiner Lichtblick, könnte man meinen!
Doch die Realität sieht anders aus. Eine Petition zur Wiedererrichtung eines Öffi-Verkehrsknotenpunkts bei der ehemaligen Station sammelte über 500 Stimmen – ein Zeichen, dass die Menschen in der Umgebung das Bedürfnis nach einer besseren Anbindung haben. Der Petitionsausschuss bezeichnete die Ergebnisse allerdings als „ernüchternd“. Die Empfehlung: das bestehende Angebot der öffentlichen Verkehrsmittel aufrechterhalten. Ein Schlag ins Gesicht für all jene, die auf Veränderungen hoffen.
Die Widerstände und Hoffnungen
Die Vertreter der Initiative sind frustriert. Sie kritisieren, dass die Argumente für einen Verbindungsknoten von der SPÖ ignoriert wurden. Stadträtin Ulli Sima sieht das anders: Laut ihr ist das Gebiet bereits gut erschlossen. Die ÖBB, die die Station 2014 schloss, hat auch keine Pläne für eine Reaktivierung. Sie prognostizieren keine höheren Fahrgastpotentiale, die die Kosten rechtfertigen würden. Aber haben sie wirklich alle Optionen abgewogen?
Die Bürgerinitiative bleibt jedoch entschlossen. Sie haben in den nächsten Wochen die Einreichung einer offiziellen Petition bei der Stadt Wien angekündigt. Immerhin leben über 2.000 Menschen in Gehentfernung zur Station. Rund 10.000 Einwohner:innen in der Umgebung sind derzeit nur an U-Bahnen, nicht an die S-Bahnlinie 80 angebunden. Das bedeutet, dass viele mit dem Auto zur Südosttangente fahren, anstatt die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Ein Teufelskreis!
Ein multimodaler Verkehrsknoten?
Die Wiedereröffnung der Station könnte nicht nur für die Anwohner eine Erleichterung bringen, sondern auch andere Verkehrslinien, wie die Buslinien 92B, 93A und 96A, attraktiver machen. Die Verbindung zur Neuen Donau, zur Donauinsel und zur Lobau wäre eine echte Bereicherung für Erholungssuchende. Zudem könnte eine neu geplante Station eine barrierefreie Anbindung zwischen Siedlungsgebieten und dem Wegenetz entlang der Donau schaffen. Das klingt doch alles nach einer sinnvollen Verbesserung!
Doch nicht alles ist so rosig, wie es scheint. Derzeit gibt es einen gefährlichen ungeregelten Bahnübergang, der bereits zwei Todesopfer gefordert hat. Ein ampelgeregelter Fuß- und Radwegübergang über die Raffineriestraße erfordert teils lange Umwege. Es ist offensichtlich, dass die Situation dringend Handlungsbedarf hat. Der viergleisige Ausbau der Ostbahn zwischen Stadlau und Simmering bis 2040 könnte der Schlüssel sein, um langfristig die Verkehrssituation zu verbessern. Die Station Lobau könnte als multimodaler Verkehrsknoten fungieren und damit Autofahrten erheblich reduzieren.
Der Weg zu einem besseren ÖPNV
Ein flächendeckend gut ausgebauter und verlässlicher Nahverkehr ist nicht nur ein Wunschtraum, sondern dringend notwendig, um mehr Menschen dazu zu bewegen, auf das eigene Auto zu verzichten. In Deutschland strebt man an, dass 95% der Menschen in einem Umkreis von 500 Metern mindestens einmal pro Stunde eine Anbindung an Bus oder Bahn haben. Der Verkehr muss sich ändern, und dafür braucht es Geld – viel Geld. 91,6 Milliarden Euro bis 2045 wären erforderlich, um den ÖPNV nachhaltig auszubauen und zu verbessern. Das ist kein Pappenstiel!
Die Bürgerinitiative „S 80 Lobau“ hat sich also nicht nur für eine Station stark gemacht, sondern steht symbolisch für eine größere Herausforderung: Wie schaffen wir es, den öffentlichen Verkehr in unseren Städten und Gemeinden zu revolutionieren? Der Ball liegt nun bei den Verantwortlichen. Ein bisschen mehr Mut zur Veränderung könnte nicht schaden. Vielleicht geschieht ja bald das Unmögliche und die Lobau-Station wird wieder zum Leben erweckt.
