In einem kleinen, aber doch so bedeutsamen Teil von Wien ist kürzlich ein Stück Kunstgeschichte verloren gegangen. Das Wandbild „Mädchenkopf“ von Gottfried Helnwein an der Linken Wienzeile 34, das seit 2009 als „Denkanstoß für den Klimawandel“ bekannt war, wurde übermalt. Die Hausbesitzerin, die sich inzwischen in die Hände ihres Sohnes begeben hat, verweist auf den aktuellen Mieter, Peter Thim von „Movelight“. Die Welle der Trauer über diesen Verlust hat nur wenige Fans erreicht, die das kunstvolle Werk einmal mehr in den Fokus rückten.

Ursprünglich für seine eindringliche Darstellung und die Verwendung von 300 m² blauer Farbe an einer Feuermauer gefeiert, galt Helnweins Bild als kulturelles Erbe und war durch die MA19 geschützt. Doch die Zeiten haben sich geändert – die neue Eigentümerin hat offenbar andere Prioritäten. Nora Frey, die 2008 für die Konzeption des Wandbildes verantwortlich war, weigerte sich, die Wand wieder einfach weiß zu übergeben. Ihr Glaube an den Schutz des Kunstwerks wurde jedoch nicht geteilt.

Ein Künstler im Dialog mit der Welt

Helnweins Kunst ist weit mehr als nur ein Bild an einer Wand. Seine Arbeiten behandeln tiefgreifende Themen, die oft mit der Kindheit verbunden sind. So hat er kürzlich ein Porträt namens „Kindskopf“ im Staatlichen Russischen Museum in St. Petersburg vorbereitet. Dieses beeindruckende Werk zeigt die neunjährige Anna und misst stolze sechs Meter in der Höhe und vier Meter in der Breite. Es steht symbolisch für alle Kinder mit einem ganzen Leben vor sich – ein eindrucksvolles Beispiel für Helnweins Fähigkeit, Gigantismus mit Detailversessenheit zu verschmelzen.

Die Rückkehr zum Russischen Museum ist für Helnwein eine Herzensangelegenheit. Im Spätsommer plant er, Kindergesichter fotografisch zu porträtieren. Die positiven Erfahrungen, die er dort gemacht hat, lassen ihn in eine Zukunft blicken, in der Kunst nicht nur gesehen, sondern auch erklärt wird. Die Lehrer im Museum haben es verstanden, den Kindern die Werke näherzubringen – eine schöne Vorstellung, die die Bedeutung von Kunst für die junge Generation unterstreicht.

Gesellschaftspolitische Themen im Fokus

Und als ob das nicht genug wäre, wird Helnwein auch in Gmunden aktiv. Im Kulturhauptstadtjahr 2024 hat die Stadtgemeinde ihn für ein Projekt gewonnen, bei dem er das Rathaus und das Stadttheater mit drei seiner Werke behängen wird. Ein Ereignis, das Bürgermeister Stefan Krapf als Sensation bezeichnet. Helnwein selbst beschreibt seine Bilder als „eingefrorene Augenblicke in einem Drama“ – ein Satz, der die emotionalen Schwingungen seiner Kunst perfekt einfängt.

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Das Salzkammergut ist für Helnwein nicht nur ein kreativer Ort; es ist auch ein Teil seiner Kindheit. Diese persönliche Verbindung lässt die Zusammenarbeit umso bedeutungsvoller erscheinen. Die Diskussionen um gesellschaftspolitische Themen, die durch seine Werke angestoßen werden, sind nicht nur in Gmunden wichtig, sondern auch in Wien, wo die Übermalung des „Mädchenkopfs“ Fragen zur Rolle von Kunst im öffentlichen Raum aufwirft. Von Werbung und Propaganda abzugrenzen, sieht Helnwein als eine seiner wichtigsten Aufgaben.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation rund um das übermalte Wandbild entwickeln wird. Die MA19 und die Bezirksvorstehung haben ihren Bedauern über den Verlust Ausdruck verliehen, konnten jedoch keinen Schutz bestätigen. Der Künstler selbst, Gottfried Helnwein, wurde über die Übermalung nicht informiert – ein Umstand, der die Frage aufwirft, wie viel Wert wir als Gesellschaft auf unsere kulturellen Schätze legen. In der Zwischenzeit bleibt uns der Blick auf die kommenden Projekte, die Helnwein in Angriff nehmen wird, und die Diskussionen, die seine Bilder anstoßen werden.