Zertifikate im Sturm: Wie Österreichs Markt die Finanzkrise überstand
In den Jahren 2007 bis 2009 war die Weltwirtschaft in einem tiefen Tal der Tränen gefangen – die Subprime-Krise, die Lehman-Pleite und der ATX-Absturz hinterließen ihre Spuren. Doch während die Märkte um uns herum zu wanken begannen, zeigte sich der österreichische Zertifikatemarkt bemerkenswert resilient. In einem spannenden Podcast, der die Marktentwicklung dieser turbulenten Jahre beleuchtet, diskutieren Alexandra Baldessarini und Christian Drastil die Hintergründe des Wachstums des Zertifikatemarktes in Österreich, das von 10,7 Milliarden Euro im Jahr 2007 auf 12,4 Milliarden Euro im Jahr 2009 kletterte. Ein wahres Kunststück, wenn man bedenkt, dass 2008 der ATX um 61% fiel!
Das Geheimnis hinter dieser stabilen Entwicklung? Eine koordinierte Kommunikationsarbeit des Zertifikate Forum Austria (ZFA) und das Marketing der Emittenten, das sich besonders auf die Wachstumschancen in Zentral- und Osteuropa konzentrierte. Während die Medien über Risiken berichteten, war das Interesse an Produktinnovationen ungebrochen. Privatanleger, die auf der Suche nach sicheren Häfen waren, trennten sich von risikobehafteten Wertpapieren und hielten den Zertifikatemarkt durch Neuveranlagungen stabil. Auch die staatlichen Hilfen, die zur Stabilisierung der Banken beitrugen, hatten ihren Teil zur Erholung im Jahr 2009 beigetragen. Das Open Interest stieg und zeigte, dass der Markt trotz aller Widrigkeiten eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit aufwies.
Ein Blick auf die Zertifikate
Doch was sind eigentlich Zertifikate? Sie können grob in zwei Gruppen eingeteilt werden: Bonuszertifikate und andere Arten. Bonuszertifikate, die eine feste Laufzeit haben, sind durch zwei entscheidende Parameter definiert: die Barriere und das Bonuslevel. Je nach Entwicklung des Basiswertes während der Laufzeit ergeben sich unterschiedliche Auszahlungsfälle. Berührt der Kurs die Barriere oder liegt über dem Bonuslevel, erfolgt eine Rückzahlung entsprechend dem Kurs des Basiswerts. Bleibt der Kurs über der Barriere, aber unter dem Bonuslevel, erhält der Anleger die Auszahlung zum Bonuslevel. Eine spannende Möglichkeit, die auch Risiken birgt – berührt der Basiswert die Barriere, wird das Bonuszertifikat zum Trackerzertifikat und der Bonus geht verloren. Ein echtes Glücksspiel, könnte man sagen!
Die Renditeverteilungen von Bonuszertifikaten hängen stark von der Barriere und dem Bonuslevel ab, was bedeutet, dass Anleger genau hinsehen müssen. Es gibt auch inverse Bonuszertifikate, die Gewinne bei fallenden Basiswerten ermöglichen – eine interessante Option für diejenigen, die sich in turbulenten Zeiten wähnen. Und dann sind da noch die Hebelzertifikate, die Investments mit einem Wertpapierkredit ermöglichen. Hierbei unterscheidet man zwischen Bull (Long) und Bear (Short) Varianten. Diese Produkte bieten eine echte Chance, die Marktbewegungen zu nutzen, erfordern aber auch ein gewisses Maß an Risikoaffinität.
Regulierung und Transparenz
Inmitten dieser Entwicklungen wurde 2009 die EUSIPA gegründet, um die Interessen der Emittenten strukturierter Produkte in Europa zu vertreten. Frank Weingarts und Heike Arbter sind zentrale Figuren in diesem Verband, der sich als Antwort auf die stärkeren Regulierungen formierte. Transparenz und Ausbildung wurden zum Leitmotiv der Verbandsarbeit. Ein bemerkenswerter Schritt war die Einführung der Zertifizierung zum „geprüften Zertifikateberater“ im Jahr 2010. Hiermit wurde ein Standard gesetzt, der nicht nur für die Emittenten, sondern auch für die Anleger von Bedeutung ist.
Mit einem Rückblick auf die Jahre 2007 bis 2009 zeigt sich, dass Österreich von einem „Lehman-Effekt“ verschont blieb. Trotz der Finanzkrise gab es keine massiven Vertrauensverluste, was den Markt stabil hielt. Es war eine Zeit des Wandels, die nachhaltige Veränderungen in der Branche mit sich brachte und den Grundstein für ein zukunftsorientiertes und transparentes Finanzumfeld legte.
