Radfahren als Schlüssel zur Selbstständigkeit für Frauen in Wien
In der malerischen Stadt Wien, wo das Radfahren mehr ist als nur ein Fortbewegungsmittel, gibt es ein aufregendes Angebot, das vor allem Frauen anspricht. Seit 2015 organisiert der ÖAMTC kostenlose Radfahrkurse für Frauen. Diese Initiative hat sich schnell zu einem wunderbaren Projekt entwickelt, das über 1.000 Frauen aus den unterschiedlichsten Ländern zugutegekommen ist. Der Grundgedanke? Selbstständige Mobilität fördern! Ein schönes Ziel, das nicht nur Frauen mit Migrationshintergrund anspricht, sondern auch viele Österreicherinnen neugierig macht.
Die Kurse starteten ursprünglich als Integrationsinitiative, doch die Nachfrage spricht eine eigene Sprache. Viele der Teilnehmerinnen haben in ihrer Kindheit das Radfahren nicht gelernt oder haben es aus den Augen verloren. Während der Kurse, die fast 100 Mal durchgeführt wurden, finden die Frauen nicht nur den Mut, sich auf zwei Räder zu schwingen, sondern auch Gleichgewicht, Bremsen und Ausweichen – Fähigkeiten, die in der Stadt echt von Nöten sind.
Ein durchdachtes Konzept
Der Ablauf der Kurse ist gut durchdacht. Zunächst gibt es eine Informationsstunde, gefolgt von acht Übungstagen, die jeweils drei Stunden dauern. Und das ist noch nicht alles: Drei Ausfahrten, ebenfalls je drei Stunden, runden das Paket ab. Das Konzept „moveo ergo sum®“ steht dabei für die motorische Heranführung an das Radfahren. Maximal 12 Teilnehmerinnen pro Kurs sorgen für eine persönliche Atmosphäre. Und das Beste? Es werden keine eigenen Fahrräder benötigt. Tretroller und Räder stehen kostenlos zur Verfügung – das nimmt den Druck, sich erst ein eigenes Rad anschaffen zu müssen.
Aktuell gibt es eine Vielzahl von Kursen, die wie warme Semmeln weggehen. Die Kurse „Ich kann nicht Radfahren“ und „Ich kann nur ein wenig Radfahren“ sind bereits ausgebucht. Doch „Ich bin beim Radfahren unsicher“ nimmt noch Anmeldungen an, und für „Ich kann Radfahren, möchte gemeinsam üben“ gibt es nur noch wenige Restplätze. Die Rückmeldungen sind durchweg positiv – viele Frauen berichten von einer spürbaren Verbesserung ihrer Mobilität und Lebensqualität. Für einige von ihnen wird sogar ein Kindheitstraum wahr.
Mobilität und Geschlechtergerechtigkeit
Doch die Kurse sind nicht nur eine tolle Gelegenheit, das Radfahren zu erlernen. Sie werfen auch ein Licht auf größere gesellschaftliche Themen. Eine Studie aus Baden-Württemberg, die sich mit der Gleichstellung im Verkehr beschäftigt, zeigt, dass Frauen oft mit unterschiedlichen Mobilitätserfahrungen konfrontiert sind. Der Gender Care Gap von fast 49 % macht deutlich, dass Frauen im Durchschnitt wöchentlich etwa 10 Stunden mehr unbezahlte Arbeit leisten als Männer. Diese zusätzliche Sorgearbeit beeinflusst ihre Mobilität erheblich. Sie müssen oft verschiedene Wege kombinieren – Kinder in die Kita bringen, Einkäufe erledigen und vieles mehr. Da ist es mehr als verständlich, dass Sicherheit im Straßenverkehr und in öffentlichen Verkehrsmitteln eine zentrale Rolle spielt.
Fast die Hälfte der Frauen fühlt sich im Straßenverkehr auf dem Rad unsicher, ein Umstand, der auf fehlende Radschutzstreifen und unübersichtliche Kreuzungen zurückzuführen ist. Die Studie empfiehlt daher, die Barrierefreiheit zu stärken und Angsträume durch bessere Beleuchtung und Gestaltung abzubauen. Das Ziel? Eine Mobilitätsplanung, die die Perspektiven aller – insbesondere Alleinerziehender, älterer Menschen und Menschen mit geringem Einkommen – berücksichtigt.
In Wien, wo das Radfahren für viele Frauen bereits ein Schritt in die Selbstständigkeit ist, wird deutlich, dass diese Kurse nicht nur das individuelle Mobilitätsgefühl stärken, sondern auch einen Beitrag zur großen Verkehrswende leisten. Wer hätte gedacht, dass das Radfahren so viele Türen öffnen kann?
