Ein neues Zuhause im Kloster: Die Familie Netrylov findet Hoffnung in Wien
Im Herzen von Wien, im Kloster der Franziskanerinnen der Schmerzhaften Mutter in Simmering, lebt die Familie Netrylov. Ursprünglich als vorübergehende Unterkunft gedacht, hat sich das Kloster für Maksym, Elena, ihre drei Töchter und die Großeltern in ein dauerhaftes Zuhause verwandelt. Vier Jahre sind vergangen, seit sie vor dem Schrecken des Ukraine-Kriegs geflohen sind. Zehn Personen, die in drei Zimmern untergebracht sind – das klingt nach einer Herausforderung, und das ist es auch. Die Schwägerin mit ihren Kindern kehrte zurück in die Ukraine, aber die Netrylovs blieben und fanden ihren Platz in dieser neuen Welt.
Die ersten Monate waren nicht einfach. Die Sprachbarriere stellte sich als enorme Hürde heraus. Niemand konnte Deutsch, und so musste die Familie anfangs mit Gesten und ein wenig Englisch auskommen. Doch die Kinder, Mascha, Sascha und Polina, haben sich mittlerweile eingelebt und berichten im Podcast „Orden on Air“ von ihren Lieblingsfächern und -orten in Wien. Es ist inspirierend zu hören, wie Kinder durch ihre Neugier und ihren Willen, sich zu integrieren, Brücken bauen können.
Ein Leben im Kloster
Maksym arbeitet seit vier Monaten als Reiniger und Techniker, während Elena im klostereigenen Kindergarten tätig ist. Der Weg von anfänglicher Unterstützung zu selbstverantwortlichen Mitgliedern der Gesellschaft ist für die Familie Netrylov ein großer Schritt. Eine neue Wohnung in derselben Straße wie das Kloster wurde über die Pfarre gefunden, was ihnen mehr Privatsphäre gibt. Elena kann sich ein Leben ohne die Schwestern nicht vorstellen – eine herzliche Bindung, die in diesen schweren Zeiten Trost bietet.
Die katholischen Ordensgemeinschaften in Österreich zeigen sich seit Beginn des Ukraine-Kriegs bemerkenswert engagiert. Rund 1.000 Plätze in Klöstern und Gemeinschaften stehen derzeit für Flüchtlinge zur Verfügung. Sr. Christine Rod berichtet von großem Einsatz zur Unterstützung. Lebensmittel- und Sachspenden, finanzielle Hilfe und auch Gebete um Frieden – all das ist Teil der Hilfsangebote. Es sind nicht nur die Franziskanerinnen in Simmering, die helfen; Klöster und Stifte in ganz Österreich bereiten Unterkünfte für Vertriebene vor. Von Salzburg bis zur Steiermark ist die Solidarität mit den vom Krieg betroffenen Menschen spürbar und wird als Teil der „DNA der Ordensgemeinschaften“ betrachtet.
Gemeinschaft für die, die Hilfe brauchen
Die Caritas spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle in dieser humanitären Krise. Sie unterstützt und begleitet Menschen in schwierigen Lebenslagen, unabhängig von ihrer Herkunft oder Glaubensrichtung. Oft genug werden die Stimmen der Migrant*innen und Flüchtlinge im politischen Diskurs überhört. Die Caritas setzt sich dafür ein, dass die Ärmsten und benachteiligte Gruppen nicht vergessen werden. Ihre Arbeit ist nicht nur ein Job, sondern eine Herzensangelegenheit.
In der Steiermark haben Klöster wie Stift St. Lambrecht Wohnungen bereitgestellt und bereits 22 Personen aufgenommen. Es ist eine beeindruckende Mobilisierung von Ressourcen, die nicht nur die physische Unterbringung umfasst, sondern auch seelische Unterstützung, die gerade in Krisenzeiten enorm wichtig ist. Die unbeschuhten Karmelitinnen und andere Frauenorden haben ebenfalls ihre Gästezimmer für Flüchtlinge geöffnet. Es ist eine Welle der Hilfsbereitschaft, die zeigt, wie tief verwurzelt das Mitgefühl in der österreichischen Gesellschaft ist.
Die Geschichte der Familie Netrylov ist ein kleines Stückchen in diesem großen Mosaik der Hilfsbereitschaft. Sie zeigt, was möglich ist, wenn Menschen zusammenkommen, um einander zu unterstützen. Das Kloster, die Pfarre, die Ordensgemeinschaften und Organisationen wie die Caritas – sie alle arbeiten Hand in Hand, um das Licht der Hoffnung in dunklen Zeiten zu entzünden. Und so bleibt die Frage, was als Nächstes kommt: Die Rot-Weiß-Rot-Karte ist das nächste Ziel der Familie, während sie sich gleichzeitig in ihrer neuen Heimat Wien immer mehr verwurzeln.
