Im schönen Währing gibt es derzeit hitzige Diskussionen. Der Grund? Eine geplante Turnhalle auf dem Areal des Turnvereins Gersthof, die für ordentlich Aufregung sorgt. Die Pläne stießen nicht nur auf Begeisterung, sondern auch auf Bedenken, vor allem in Bezug auf die geschützten Fledermäuse, die hier ihr Zuhause haben könnten. Eine Petition zur Änderung des Flächenwidmungs- und Bebauungsplans wurde im Gemeinderat abgelehnt – und das hat die Gemüter erhitzt. Man fragt sich: Wie geht es weiter? Und vor allem: Was passiert mit unseren kleinen Nachtjägern?

Das Wildtierservice der MA 49, zuständig für den Schutz und die Betreuung von Wildtieren in Wien, wurde um eine Stellungnahme gebeten. Die Experten erklären, dass Fledermäuse in der Stadt durchaus anpassungsfähig sind und auch in vielen Innenhöfen vorkommen. Ein Verlust einzelner Flächen, das betonen sie, führt in der Regel nicht zu einer Gefährdung der Arten. Die kleinen Tierchen sind Meister im Finden neuer Lebensräume. Von den 23 in Wien nachgewiesenen Fledermausarten sind einige zwar gefährdet, sie sind jedoch an spezifische Lebensräume gebunden – etwa im Lainzer Tiergarten, wo sie sich besonders wohlfühlen.

Fledermäuse als Teil der Stadt

Die Wiese des Turnvereins, die nun für die Turnhalle weichen soll, dient zwar als Jagdhabitat, ihre Bedeutung ist durch die Nutzung als Sportfläche aber eingeschränkt. In der Umgebung gibt es jedoch ausreichend Alternativen für die kleinen Jäger. Fledermäuse leisten eine wichtige Rolle in unserem Ökosystem, indem sie Insekten fressen – eine Art biologische Schädlingsbekämpfung, die jährlich mehrere Milliarden US-Dollar wert ist! In Wien leben 22 von 28 Fledermausarten in Österreich, was die Stadt zu einem besonders fledermausreichen Ort macht. Alle Arten sind streng geschützt, was den Druck auf die Stadtplaner erhöht, bei ihren Vorhaben auf die Bedürfnisse der Tiere Rücksicht zu nehmen.

Die Stadt Wien hat sich auch der Erhaltung der Artenvielfalt verschrieben. Das Wildtierservice, ein engagiertes Team von Fachleuten, arbeitet unermüdlich daran, verletzte Wildtiere zu versorgen und nachhaltige Konzepte für das Zusammenleben von Menschen und Tieren zu entwickeln. Dabei fließen wissenschaftliche Erkenntnisse in die wildökologische Stadtplanung ein. Es ist ein Balanceakt, der sowohl die Bedürfnisse von Stadtbewohnern als auch von Wildtieren berücksichtigt.

Ein Blick in die Zukunft

Fledermäuse sind nicht nur faszinierende Wesen, sie sind auch ganz schön clever. Sie wechseln während der warmen Monate regelmäßig ihre Quartiere, was ihre komplexe Lebensweise erklärt. Männchen besiedeln zunächst Einzelquartiere, während die Weibchen sich ab April in Wochenstuben versammeln, um ihre Jungen zur Welt zu bringen. Diese kleinen Tierchen haben unterschiedliche Quartiervorlieben – ein Drittel lebt in Dachböden, andere suchen sich Spalten in Gebäuden oder Bäumen. Altbäume mit speziellen Strukturen sind dabei besonders begehrt.

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Die Hauptbedrohung für die Fledermauspopulation in urbanen Gebieten bleibt der Verlust von Quartieren durch Baumfällungen oder Gebäudesanierungen. Die Stadt hat Projekte wie „Bats in the City“ ins Leben gerufen, um die Bevölkerung in den Schutz der Fledermäuse einzubeziehen. Bürger*innen können hier aktiv werden, indem sie Fledermäuse beobachten und schützen. Schulungen und Exkursionen bieten spannende Einblicke in die Welt der Nachtjäger.

Doch die Zeit drängt. Mit dem Beginn der warmen Jahreszeit, ab März, erwachen die Fledermäuse aus ihrem Winterschlaf. Die Stadt steht vor der Herausforderung, sowohl den Bedürfnissen ihrer Bewohner als auch den schützenswerten Wildtieren gerecht zu werden. Es bleibt spannend, wie sich die Diskussion um die Turnhalle und die Fledermausschutzmaßnahmen entwickeln wird.