Küchenkrise in Wien: Die Saatgutreform bedroht unser kulinarisches Erbe
In Wien, wo der Duft von frisch gebackenem Brot und die Aromen von köstlichen Speisen durch die Straßen ziehen, gibt es besorgniserregende Nachrichten. Die Spitzenköche der Stadt sind in Aufruhr – und das nicht ohne Grund. Sie machen sich große Sorgen um die geplante Reform des Saatgutrechts in der Europäischen Union. Ein Thema, das auf den ersten Blick vielleicht trocken erscheinen mag, hat aber weitreichende Konsequenzen für unsere Ernährungssicherheit und die Vielfalt, die unsere Küchen so lebendig macht. Paul Ivić vom Restaurant „TIAN“ und Paul Kolarik von der Luftburg, dem größten Biorestaurant der Welt, sind nur zwei der Betroffenen, die lautstark auf die Gefahren hinweisen.
Die Reform, an der die EU seit 2023 arbeitet, könnte das Saatgutwesen in Europa erheblich verändern. Laut Ivić könnte die Konzentration der Macht in den Händen weniger globaler Saatgutkonzerne wie Bayer, Corteva und Syngenta nicht nur die landwirtschaftliche Vielfalt bedrohen, sondern auch das kulinarische Erbe unserer Region gefährden. Ein Verlust von Bäuerinnen und Bauern, die eigenes Saatgut anbauen und verkaufen, wäre nur die Spitze des Eisbergs. Die Köche warnen davor, dass die Qualität und der Geschmack der Zutaten darunter leiden könnten. Und das ist etwas, was man sich in der Wiener Küche einfach nicht leisten kann!
Die Gefahr von Einheitsbrei
Paul Kolarik bringt es auf den Punkt: Die Verfügbarkeit von vielfältigem Saatgut ist entscheidend für die Zukunft der Wiener Küche. Ein einheitliches, geschmacksneutrales Angebot würde nicht nur das kulinarische Erbe gefährden, sondern auch die Kreativität der Küchenchefs einschränken. Experten warnen, dass die neue Verordnung, die in der entscheidenden Phase der Trilog-Verhandlungen zwischen dem EU-Parlament, der Kommission und den Landwirtschaftsminister:innen ist, keine wesentlichen Verbesserungen für die Agrobiodiversität oder die Rechte der Landwirte enthält. Und das ist ein echtes Problem! Laut Paul Grabenberger von „Arche Noah“ droht eine „Ein-Rezept-Küche“, die unsere gastronomische Vielfalt auf den Kopf stellt.
Ein offener Brief von 122 Gastronominnen und Gastronomen aus 19 europäischen Ländern fordert nun die Entscheidungsträger auf, die Vielfalt im Ernährungssystem zu schützen. Diese Stimmen sind nicht zu ignorieren! Der weltweite kommerzielle Saatgutmarkt, der ein Volumen von rund 50 Milliarden US-Dollar hat, ist bereits stark konzentriert – und die neue Verordnung könnte diese Machtkonzentration noch weiter erhöhen. Während die großen Konzerne unbegrenzte Mengen Saatgut für Züchtung oder Forschung weitergeben dürfen, müssen Erhaltungsorganisationen und kleine Bäuer:innen strenge Auflagen erfüllen, wenn sie nur kleine Mengen weitergeben wollen. Das ist doch absurd, oder?
Ein Aufruf zur Aktion
Die Diskussion über die Reform des Saatgutrechts ist in vollem Gange. Am 5. Juli 2023 wurde ein Entwurf zur Überarbeitung vorgestellt, und die Diskussionen im Agrarausschuss des Europäischen Parlaments laufen weiter. Die Bedenken sind vielfältig: Einbeziehung des Saatgutrechts in die Kontrollverordnung, zusätzliche bürokratische Hürden und die Gefahr der Intransparenz sind nur einige Punkte, die aufgebracht werden. Die Stakeholderkonsultation läuft bis zum 07. Dezember 2023 und die Öffentlichkeit ist aufgerufen, sich zu beteiligen.
Es bleibt zu hoffen, dass die Stimmen der Köche und der Bäuer:innen Gehör finden und die Entscheidungsträger dazu bringen, die Vielfalt zu bewahren, die nicht nur unsere Teller, sondern auch unsere Kultur bereichert. Denn eines ist sicher: Ein bisschen Vielfalt hat noch niemandem geschadet – im Gegenteil, sie bereichert unser Leben und unseren Gaumen auf unzählige Arten!
