In einem bemerkenswerten Schritt zur Bekämpfung der Jugendkriminalität hat Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (Neos) Mitte April die Pläne für eine sogenannte Auszeit-WG vorgestellt. Diese geschlossene sozialpädagogische Einrichtung wird ab Mai in einem bislang geheim gehaltenen Standort in Simmering in Betrieb genommen. Hier sollen unmündige Intensivtäter im Alter von 11 bis 13 Jahren untergebracht werden, die in der Vergangenheit als Autodiebe oder Einbrecher auffällig geworden sind.

Die Stadt Wien verfolgt mit dieser Maßnahme das Ziel, Minderjährige mit einem hohen Gefährdungspotential für die Öffentlichkeit zu unterstützen und von delinquentem Verhalten abzubringen. Die ersten zwei Jugendlichen sollen bereits im Mai in das 140 Quadratmeter große Haus einziehen, das über zwei Ebenen und einen großen Garten verfügt. Für die Sicherheit der Bewohner sorgen bruchsicheres Glas und Sicherheitstüren.

Ein strukturierter Ansatz für schwierige Fälle

Die Aufenthaltsdauer in der Auszeit-WG ist auf sechs bis zwölf Wochen ausgelegt. Eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung durch 2-3 geschulte Betreuer, die sich in Selbstverteidigung und Deeskalationstechniken auskennen, soll sicherstellen, dass die Jugendlichen in einem geschützten Rahmen begleitet werden. Das Betreuungsteam besteht aus Sozialarbeitern, Psychologen und Fachärzten, die einen geregelten Tagesablauf mit zahlreichen Sportangeboten und erlebnispädagogischen Ausflügen gestalten.

Der Fokus liegt dabei auf der Beziehungsgestaltung zwischen Betreuern und Jugendlichen sowie auf der schrittweisen Gewährung von mehr Freiheit. Diese Methodik soll helfen, die jungen Menschen aus ihren oft belastenden Umfeldern herauszuholen und ihnen eine positive Perspektive zu bieten.

Die Hintergründe der Initiative

Der Anstieg der Jugendkriminalität, insbesondere bei Jugendlichen im Alter von 10 bis 14 Jahren, ist alarmierend. Die Zahl der tatverdächtigen Minderjährigen hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Allein im Jahr 2025 wurden 13.179 Tatverdächtige in dieser Altersgruppe registriert, was einem Anstieg von 10% im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die häufigsten Straftaten, die von diesen Jugendlichen begangen werden, sind Einbruchsdiebstahl, Körperverletzung und einfacher Diebstahl. Selbst die Zahl der Tatverdächtigen unter 10 Jahren zeigt einen besorgniserregenden Anstieg von 32% im Vergleich zum Vorjahr.

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Die Auszeit-WG ist Teil eines umfassenden Projekts, das mit einem Budget von 800.000 Euro pro Jahr für die Unterbringung von 8 bis 16 Jugendlichen ausgestattet ist. Die rechtlichen Grundlagen beruhen auf dem Heimaufenthaltsgesetz, bis das Justizministerium gesetzliche Anpassungen vornimmt. Voraussetzung für die Unterbringung ist eine Diagnose einer psychischen Erkrankung sowie ein hohes Selbst- und Fremdgefährdungsrisiko, für das es keine angemessene Alternative gibt.

In der Nachbarschaft von Simmering gibt es jedoch auch Unmut über die Pläne. Die Bedenken der Anwohner sind nachvollziehbar, denn die Präsenz von Intensivtätern wirft Fragen zur Sicherheit und zum sozialen Frieden auf. Dennoch ist es von entscheidender Bedeutung, diesen Jugendlichen eine Chance zur Rehabilitation zu bieten, um sie auf den richtigen Weg zu bringen und ihre künftigen Lebenswege positiv zu beeinflussen.