Der Eurovision Song Contest (ESC) steht vor der Tür und wird vom 12. bis 16. Mai in Wien gefeiert. Der ORF rechnet mit beeindruckenden 166 Millionen TV-Zuschauern, was den Werbewert für Österreich und die Stadt Wien als enorm einschätzt. Um dieses kulturelle Spektakel auszurichten, investiert der ORF stolze 16 Millionen Euro, während die Stadt Wien ein Budget von 22,6 Millionen Euro bereitstellt, das sowohl Geld- als auch Sachleistungen umfasst. Die genaue Verwendung der Mittel bleibt jedoch im Dunkeln, da die Stadtregierung nicht ins Detail geht.
Die größte Herausforderung besteht in der Sicherheit und der Organisation offizieller Begleitveranstaltungen. Die Wiener Stadthalle, als Austragungsort des ESC, ist bereits im Vorfeld blockiert, was bedeutet, dass keine anderen Veranstaltungen stattfinden können. Im letzten Jahr fanden dort 18 Events statt, heuer sind bislang 8 geplant. Trotz dieser Einschränkungen hofft die Stadtregierung, das Budget nicht vollständig auszuschöpfen. Im Vergleich zur Stadt Basel, die 36 Millionen Euro für den ESC 2025 bereitstellte, ist der finanzielle Rahmen für Wien also eher bescheiden.
Wirtschaftliche Effekte und Tourismus
Eine aktuelle Studie zeigt, dass in Österreich rund 88.000 zusätzliche Gäste erwartet werden, von denen 53.000 in Wien verweilen werden. Diese Besuchergruppen setzen sich aus Touristen mit mehrtägigem Aufenthalt, Tagestouristen, Journalisten und Crewmitgliedern zusammen. Der wirtschaftliche Nachfrageimpuls wird auf etwa 21 Millionen Euro geschätzt, während die direkten Veranstaltungsausgaben rund 36 Millionen Euro betragen. So könnten die Wertschöpfungseffekte bei etwa 52 Millionen Euro liegen, wobei 80% direkte und 20% indirekte Effekte durch Verflechtungen in verschiedenen Branchen zu erwarten sind.
Die Wirtschaftskammer Wien berichtet von vielen ausgebuchten Hotels, jedoch auf einem Niveau, das man in den letzten Jahren ähnlich beobachten konnte. Ein „Mega-Geschäft“ ist also nicht zu erwarten; das primäre Ziel des ESC bleibt es, die Teilnehmer und Zuschauer zu erfreuen. WKW-Präsident Walter Ruck hebt hervor, dass die Nächtigungszahlen seit dem ESC 2015 gestiegen sind, allerdings bezweifelt Oliver Fritz vom WIFO, dass Wien den ESC benötigt, um touristisch zu wachsen. Größere touristische Effekte wären in einer weniger ausgelasteten Stadt wie Graz möglich gewesen.
Werbewert und langfristige Auswirkungen
Die European Broadcasting Union (EBU) schätzt den Werbewert des ESC auf beeindruckende 730 Millionen Euro. Allerdings wird die Berechnungsmethode von Experten als nicht nachvollziehbar angesehen. Der Multiplikator für den Wertschöpfungseffekt liegt bei 1,7 – das bedeutet, jeder eingesetzte Euro generiert 1,70 Euro Wertschöpfung. Mit einem potenziellen Ziel für Österreich 2026 im dreistelligen Millionenbereich wird der ESC auch in Zukunft für Aufsehen sorgen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der ESC in Wien nicht nur ein musikalisches Großereignis ist, sondern auch ein bedeutender wirtschaftlicher Impulsgeber. Trotz berechtigter Zweifel an den langfristigen Effekten bleibt die Vorfreude auf das Event ungebrochen. Die kulturelle Bedeutung und das Fest der Musik stehen im Vordergrund, und das ist es, was diese Veranstaltung so besonders macht.