Klangvolle Tropfen: Wie Musik die Herzen junger Patientinnen und Patienten berührt
In der Klinik Ottakring fand kürzlich ein ganz besonderes Konzert statt, das nicht nur die Wände des Krankenhauses zum Schwingen brachte, sondern auch die Herzen der jungen Patientinnen und Patienten berührte. Studierende der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw) haben sich zusammengetan, um im Rahmen der Konzertreihe „Wasser sucht Klang“ ein Programm zu gestalten, das die Geschichte eines Wassertropfens erzählt, der die Welt entdeckt und die Magie der Musik erfährt. Es war bereits das zweite Mal, dass diese klangvolle Abwechslung in der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde stattfand und die Resonanz war überwältigend.
Die Darbietung war eine gelungene Mischung aus Instrumenten, Gesang und Erzählungen, die wie ein sanfter Wasserfall durch den Krankenhausalltag floss. Ein Bösendorfer Konzertflügel, eigens für diesen Anlass angeliefert, sorgte für einen klanglichen Genuss, der sich im Raum ausbreitete. Regine Reihs, die Stationsleitung Pflege, hob die positive Wirkung der Musik im Krankenhausalltag hervor. Sie sagte, dass solche Veranstaltungen nicht nur Ablenkung bieten, sondern auch Freude und ein Stück Normalität zurückbringen – gerade in einer Umgebung, die oft von Sorgen geprägt ist.
Musik als Brücke
Musik hat die Kraft, Nähe zu schaffen und Neugier zu wecken. Veronika Mandl, Lehrende an der mdw, betonte, dass musikalische Erlebnisse eine Brücke zwischen den Patientinnen und Patienten, deren Angehörigen und dem Pflegepersonal schlagen. Es ist diese besondere Verbindung, die einen Raum schafft, in dem man für einen Moment die Sorgen vergessen kann. Und genau das scheint auch das Ziel der Kooperation zwischen der Klinik Ottakring und der mdw zu sein, die seit dem Vorjahr besteht.
Doch das ist noch nicht alles. Die mdw engagiert sich nicht nur in Ottakring. Seit dem 22. Februar 2021 gibt es eine Online-Initiative, die den Patientinnen und Patienten der Universitätsklinik für Radioonkologie die Möglichkeit bietet, Musikdarbietungen über Tablets zu verfolgen. Diese Initiative zielt darauf ab, Ablenkung und Freude in den Krankenhausalltag zu bringen. Improvisierte Musik von Klarinettistinnen, Fagottistinnen und Akkordeonspielern wird geboten – ein ganz anderes Erlebnis, das trotz der physischen Distanz einen Hauch von Nähe vermittelt.
Ein internationaler Austausch
Das Projekt ist Teil des internationalen Multi-Centre-Konsortiums „ProMiMiC – Professional Excellence in Meaningful Music and Healthcare“. Hier arbeiten Partner aus Groningen, Den Haag und London eng zusammen. In Wien liegt der Fokus auf dem interprofessionellen Lernen zwischen Musikerinnen und Musiktherapeutinnen, während in den Niederlanden das Zusammenspiel zwischen Musikerinnen und Pflegepersonal erforscht wird. London hingegen konzentriert sich auf das „situational learning“ von Musikerinnen. Diese internationalen Verknüpfungen erweitern nicht nur den Horizont der Beteiligten, sondern bereichern auch die Erfahrungen der Patientinnen und Patienten.
Die ursprünglich geplanten Live-Konzerte auf den Stationen mussten zwar wegen der Covid-19-Einschränkungen umgestellt werden, doch der persönliche musikalische Kontakt bleibt ein wertvoller Moment für alle Beteiligten. Es sind diese kleinen, aber feinen Augenblicke, die das Krankenhauserlebnis ein Stück weit menschlicher machen. Die Musik wird zum Lichtblick in der grauen Routine, zum sanften Begleiter in schwierigen Zeiten. Und vielleicht, nur vielleicht, wird der Wassertropfen, der die Welt entdeckt, eines Tages selbst ein Teil dieser Geschichten sein, die in den Herzen der Menschen weiterleben.
