Die Spitalskirche im Wilhelminenspital hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Am 30. Oktober 1936 wurde sie feierlich durch Sr. Eminenz Kardinal Dr. Theodor Innitzer eingeweiht. Der Hauptaltar, dem heiligen Kamillus geweiht, ist nicht nur ein Ort der Anbetung, sondern auch ein Symbol für die Fürsorge und den Schutz, den die Kirche den Kranken bieten möchte. An der Westfassade prangt eine beeindruckende Engelfigur, drei Meter hoch, die mit gefalteten Händen zum Gebet auffordert und um Schutz für das Krankenhaus bittet.
Die Kirche ist nicht nur architektonisch bemerkenswert, sondern auch kunsthistorisch von Bedeutung. Ein Fresko an der Rückwand des Presbyteriums zeigt den Christkönig in doppelter Lebensgröße mit fünf Wundmalen. Umrahmt wird dieses Werk von einer Vielzahl von Heiligen, darunter Diakone Stephanus und Laurentius sowie der heilige Rochus, hl. Notburga und Kardinal Karl Borromäus. Diese Heiligen sind sorgfältig ausgewählt als Patrone der Kranken und Armen und reflektieren die lange Tradition der Unterstützung für Bedürftige in der Kirchengeschichte.
Theodor Innitzer: Ein Leben für die Kirche
Theodor Kardinal Innitzer, geboren am 25. Dezember 1875 in Neugeschrei, Böhmen, war eine prägende Figur seiner Zeit. Nach seiner Priesterweihe im Jahr 1902 wirkte er in verschiedenen Positionen im Wiener Priesterseminar und wurde schließlich 1932 Erzbischof von Wien. Seine Karriere war vielseitig: Er war nicht nur Theologe, sondern auch Sozialminister und engagierte sich stark in der akademischen Welt. Ab 1911 lehrte er als Professor für Neues Testament an der Universität Wien.
Innitzer war ein prominenter Vertreter der katholischen Kirche und setzte sich für soziale Belange ein. Während seiner Zeit als Erzbischof war er auch Apostolischer Administrator des Burgenlandes und engagierte sich für die Gründung des Dom- und Diözesanmuseums. Trotz seiner anfänglichen Unterstützung für den Anschluss Österreichs an das Dritte Reich, distanzierte er sich später vom Nationalsozialismus und setzte sich aktiv für nichtarische Katholiken ein. Seine Initiativen während und nach dem Zweiten Weltkrieg zeugen von einem tiefen Mitgefühl für die Schwächeren in der Gesellschaft.
Ein bleibendes Erbe
Die Spitalskirche im Wilhelminenspital repräsentiert nicht nur die architektonische Schönheit der 1930er Jahre, sondern auch das Erbe von Kardinal Innitzer, der bis zu seinem Tod am 9. Oktober 1955 in Wien einen bleibenden Einfluss auf die katholische Kirche und die Gesellschaft hatte. Sein Grab befindet sich in der Bischofsgruft des Wiener Stephansdoms, eine letzte Ruhestätte für einen Mann, der sein Leben dem Dienst an Gott und den Menschen widmete.
In Wien-Döbling erinnert der Kardinal-Innitzer-Platz an seinen Namen, während seit 1962 jährlich der Kardinal-Innitzer-Preis vergeben wird, der das Andenken an seine Verdienste wachhält. Innitzers Leben und Wirken sind ein eindrucksvolles Beispiel für den Einsatz eines Geistlichen in der Gesellschaft, der stets mit Herz und Verstand agierte.