In Neubau wird es demnächst literarisch. Halyna Petrosanyak und Konstantin Kaiser, zwei herausragende Stimmen der zeitgenössischen Lyrik, laden zu einer besonderen Lesung ein. Sie werden über ihre neuen Gedichte sprechen – auf Deutsch und Ukrainisch. Das Ganze wird von Oksana Stavrou moderiert, die selbst als Autorin von “Russlands Krieg gegen die Ukraine” (2024 und 2025) auf sich aufmerksam gemacht hat. Und das Beste? Es gibt auch einen Büchertisch von Zwischenwelt International, der die Gelegenheit bietet, sich mit weiteren Werken zu versorgen.
Nach der Lesung dürfen sich die Gäste auf Wasser, Wein und Müsliriegel freuen – und das alles mit der Bitte um eine kleine Spende für die Ukraine im Widerstand. Ein herzliches Zusammenkommen, das nicht nur der Literatur, sondern auch einer wichtigen Sache dient.
Halyna Petrosanyak: Eine Stimme für die Vergessenen
Halyna Petrosanyak, geboren 1969 in den ukrainischen Karpaten, hat sich über die Jahre einen Namen als Dichterin, Übersetzerin und Literaturkritikerin gemacht. Ihre Gedichtsammlung „Park am Hang“ aus dem Jahre 1996 wurde gleich mit dem Bu-Ba-Bu-Preis für das beste Gedicht des Jahres ausgezeichnet – ein eindrucksvolles Debüt, das den Grundstein für ihre Karriere legte. Mit einer beeindruckenden Liste von veröffentlichten Werken, darunter der jüngste Gedichtband „Exophonien“, zeigt sie, dass sie eine unermüdliche Kämpferin für die Rechte der Menschen ist, besonders für die Dissidenten, die in russischen Lagern litten.
Wohin man auch schaut – Petrosanyak ist in der literarischen Szene nicht nur aktiv, sie ist ein Lichtblick für viele, die sich für Menschenrechte und Gleichwertigkeit von Sprache und Kultur einsetzen. Sie bringt wichtige Stimmen wie die von Darija Husjak, Nadija Switlytschna und Kateryna Saryzka ins Rampenlicht und gibt ihnen die Plattform, die sie verdienen.
Ein kreatives Duo
Konstantin Kaiser ist kein Unbekannter in der Lyrikwelt. Sein letzter Gedichtband „Ausgedehnte Gegenwart“ hat viel Aufmerksamkeit erregt. Er und Petrosanyak arbeiten derzeit an der deutschen Fassung ihrer gemeinsamen Gedichtsammlung „Compressio“. Es ist spannend zu sehen, wie die beiden Kreativen zusammenarbeiten, um eine Brücke zwischen den Kulturen zu schlagen. Vielleicht gibt es ja schon einen kleinen Vorgeschmack auf die Übersetzung von Kaisers Gedicht „Es wird Winter sein im besetzten Gebiet“, die Petrosanyak ins Ukrainische übertragen hat und bald in der polnischen Zeitschrift „RADAR“ veröffentlicht wird.
Oksana Stavrou, die die Moderation übernimmt, bringt ebenfalls viel Erfahrung mit. Ihr Hintergrund als Autorin und ihre Herkunft aus Iwano-Frankiwsk, der gleichen Stadt wie Petrosanyak, stärkt die Verbindung zwischen den beiden Frauen. Sie gehört zum “Stanislauer Phänomen” der Unbeugsamkeit – eine Eigenschaft, die in diesen Zeiten mehr denn je gefragt ist.
Kultur im Zeichen des Widerstands
Die Veranstaltung wird von Zwischenwelt International, einem Verein für Kultur des Widerstands, des Exils und der Aufklärung, in Kooperation mit dem Bezirksmuseum Neubau organisiert und von der Stadt Wien sowie dem BM:WKK gefördert. Es ist wichtig, solche kulturellen Veranstaltungen zu unterstützen, die nicht nur die Kunst zelebrieren, sondern auch ein starkes Zeichen für Freiheit und Menschlichkeit setzen. Halyna Petrosanyak bringt mit ihren Erfahrungen und ihrer Leidenschaft für die Literatur eine einzigartige Perspektive in die Wiener Kulturszene.
Wer also Lust auf einen Abend mit tiefgründiger Lyrik, engagierten Diskussionen und einem guten Tropfen hat, sollte sich den Termin im Kalender rot anstreichen. Denn in Neubau wird nicht nur gelesen, sondern auch ein Stück Geschichte lebendig gehalten!