Die Wiener Schnellbahn hat eine Ära hinter sich, die nun mit einem wehmütigen Abschied endet. Die legendären 4020er Züge, die seit fast 50 Jahren auf den Schienen der Stadt unterwegs sind, werden endgültig aus dem Verkehr gezogen. Die nostalgischen Gefühle, die die Eisenbahnfreunde in Fachforen teilen, sind nur ein kleiner Teil der Erinnerungen, die diese Züge wecken. Sie wurden in den 1970er-Jahren, genauer gesagt ab 1978, in Tirol und auf der Wiener Stammstrecke eingesetzt und haben seither unzählige Fahrgäste befördert.
Die 4020er Züge wurden von der ÖBB in Auftrag gegeben, um den Nahverkehr zu modernisieren. Mit ihrer Thyristorsteuerung, den Mischstrommotoren und der elektrischen Widerstandsbremsen waren sie für ihre Zeit technologisch fortschrittlich. Doch trotz ihrer jahrzehntelangen Treue zur Wiener Schnellbahn bleibt nur noch eine Handvoll dieser Uralt-Züge im Dienst. Von ursprünglich 120 Garnituren sind nur noch rund zwei Dutzend aktiv, während die restlichen Züge in den letzten Jahren nach und nach ausgemustert wurden.
Technische Evolution und Umbauten
Im Laufe der Jahre haben die 4020er viele Veränderungen durchgemacht. Anfänglich ohne Kopfstützen ausgestattet, wurden sie mehrfach umgebaut. Ab 1993, als die Hauptausbesserungen begannen, gab es zahlreiche technische und äußere Modernisierungen. Der Umbau von Türsensoren und die Einführung von LED-Scheinwerfern sind nur einige der Neuerungen, die den Komfort erhöhen sollten. Und auch wenn die breiten Türen einen schnellen Fahrgastwechsel ermöglichten, mussten die Passagiere sich nach den Umbauten mit nur noch einem WC pro Garnitur begnügen.
Ein weiterer bemerkenswerter Umstand ist das Engagement der ÖBB für die Barrierefreiheit. Die stufenlosen Bahnhöfe profitieren nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern auch ältere Menschen und Familien mit Kinderwagen. Diese Maßnahmen sind ein großer Schritt in Richtung eines inklusiven öffentlichen Verkehrs.
Das endgültige Aus für die 4020er
Die Entscheidung, die 4020er Züge im Sommer 2024 aus dem Verkehr zu ziehen, kommt nicht überraschend. Die ÖBB hat angekündigt, dass die Baureihe 4020 ab diesem Zeitpunkt nicht mehr eingesetzt wird, da eine Umrüstung auf das moderne Zugsicherungssystem ETCS als unrentabel erachtet wird. Die Zulassung der Züge läuft zwar noch bis 2030, aber die Zeit der nostalgischen Fahrten mit den 4020ern neigt sich dem Ende zu. Ein letzter Discozug wurde im September 2023 zum 100-jährigen Jubiläum der ÖBB umgebaut und dürfte für viele Fahrgäste ein unvergessliches Erlebnis gewesen sein.
In der Rückschau wird deutlich, dass die 4020er nicht nur ein Transportmittel waren, sondern ein Stück Wiener Geschichte. Von den ersten Einsätzen auf der Stammstrecke in Richtung Stockerau bis hin zu den zahlreichen Umbauten und Modernisierungen – diese Züge haben die Entwicklung des Wiener Nahverkehrs maßgeblich geprägt. Es wird spannend sein zu beobachten, wie die neuen Züge die alten Traditionslinien übernehmen werden und welche Geschichten sie in den kommenden Jahrzehnten erzählen werden.