Rund 120 Anrainerinnen und Anrainer fanden sich am 2. Juni im Haus der Begegnung in Mariahilf ein. Ein großes Interesse war zu spüren! Das Thema? Die Situation rund um das Jedmayer Grätzl, wo Drogenkonsum und ein besorgniserregendes Sicherheitsgefühl die Gemüter erhitzten. Die Berichte über Spritzen in Hauseingängen und offenen Drogenkonsum, vor allem in den Abendstunden, ließen niemanden kalt. Es wurde schnell klar: Hier gibt es Handlungsbedarf.
Die Versammlung, einberufen von Bezirksvorsteherin Julia Lessacher und dem Wiener Sucht- und Drogenkoordinator Ewald Lochner (beide SPÖ), war ein Versuch, die Sorgen der Bevölkerung ernst zu nehmen. Lochner stellte ein Maßnahmenpaket vor, das bereits am 8. Mai in Kraft trat. Darunter eine neue polizeiliche Schutzzone, verstärkte Reinigungsmaßnahmen, mehr mobile Sozialarbeit und verschärfte Kontrollen gegen Drogenhandel. Die Schutzzone, die Konsum und Handel unterbinden soll, wurde von den Anrainern positiv aufgenommen.
Ein Ort im Umbruch
Im Fritz-Imhoff-Park, der umgestaltet und eingezäunt wurde, soll das Sicherheitsgefühl der Anwohner steigen. Doch trotz dieser Maßnahmen blieben viele Fragen offen. An den Thementischen konnten die Besucher direkt mit Vertretern von Polizei, Suchthilfe und Magistratsabteilungen ins Gespräch kommen. In einer öffentlichen Diskussion trat die Versammlung jedoch nicht in Erscheinung – hier war der Austausch auf persönliche Begegnungen beschränkt. ÖVP-Klubobmann Gerhard Hammerer bemerkte, dass die hohe Teilnehmerzahl zeige, wie wichtig das Thema für die Anwohner sei.
Ein zentraler Punkt, der immer wieder erwähnt wurde: Die Konzentration von Suchthilfeangeboten rund um den Jedmayer wird von vielen Anwohnern als Kernproblem angesehen. Sie fordern eine bessere Verteilung dieser Angebote in Wien. Hammerer und sein Kollege Felix Ofner kritisierten, dass die Stadt die Probleme verharmlost oder ausgesessen hat. Die Umgebung der U6-Station Gumpendorfer Straße gilt als Brennpunkt mit der höchsten Konzentration an Suchtmitteldelikten pro Einwohner in Wien. Ein Umstand, der für viele Bewohner ein immer größer werdendes Gefühl der Unsicherheit mit sich bringt.
Forderungen und Hoffnungen
Die Anrainer erwarten sich von der Bürgerversammlung konkrete Antworten – weniger Drogenhandel, mehr Sicherheit und eine spürbare Entlastung des Grätzls. Die ÖVP fordert zusätzlich eine Alkoholverbotszone und Videoüberwachung rund um die U6-Station. Hammerer sprach sich auch für strukturelle Änderungen in der Betreuung suchtkranker Menschen aus, insbesondere in Bezug auf die Ausgabe von Substitutionsmitteln. Eine einzige Einrichtung könne nicht ausreichen, um die Drogenprobleme einer Großstadt zu lösen, so die eindringliche Botschaft. Hier braucht es ein Gesamtkonzept!
Die Herausforderungen, die sich in Mariahilf und an anderen Orten zeigen, sind Teil eines größeren Problems. Laut dem Epidemiologischen Suchtsurvey 2025 in Deutschland haben 11,2 Millionen Menschen die Zigaretten in der Hand, 2,1 Millionen kämpfen mit Alkoholabhängigkeit und 1,5 Millionen konsumieren Medikamente missbräuchlich. Die Drogen- und Suchtpolitik hat das Ziel, den Konsum legaler und illegaler Drogen zu reduzieren und drogenbedingte Probleme zu vermeiden. Maßnahmen zur Schadensreduzierung, wie etwa Spritzentausch, sind wichtig, um die gesundheitliche und soziale Situation von Menschen mit Suchterkrankungen zu stabilisieren.
Die anhaltenden Gespräche und der Austausch bei der Versammlung zeigen, dass die Anwohner bereit sind, sich für eine Verbesserung der Situation einzusetzen. Die Hoffnung auf eine weitere Gesprächsrunde im Herbst und zusätzliche Maßnahmen zur Entlastung des Grätzls bleibt bestehen. Vielleicht ist ein Lichtblick in Sicht, wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen.
