In Margareten brodelt es gewaltig – der Streit um die Umgestaltung der Rüdigergasse sorgt für viel Gesprächsstoff. Die Pläne, die schon seit Jahren die Gemüter erregen, sind nun wieder in aller Munde. Anwohner sind alles andere als begeistert und haben sich lautstark gegen die Vorschläge der Bezirksvorstehung positioniert. Es ist ein heißes Thema, das am 16. Juni zur Abstimmung kommt. Aber auch die politischen Parteien sind gespalten. Während die SPÖ und die FPÖ kräftig gegen die Umgestaltung wettern, weist die Bezirksvorstehung alle Anschuldigungen entschieden zurück.
Christoph Lipinski von der SPÖ fordert mehr Transparenz in der Bürgerbeteiligung. „Die Anwohner müssen in den Entscheidungsprozess einbezogen werden“, so Lipinski. Die FPÖ hingegen hat sich bereits klar gegen die Pläne ausgesprochen. Und dann gibt es da noch das anonyme Flugblatt, das die Bewohner auffordert, ihre Stimme gegen die Umgestaltung zu erheben und sich bei der Bezirksvorstehung zu beschweren. Ein Aufschrei der Unzufriedenheit, der nicht zu überhören ist.
Die Hintergründe der Umgestaltung
Bereits im Jahr 2018 wurde die Umgestaltung per Allparteienantrag beschlossen. Ein Bürgerbeteiligungsverfahren wurde in Auftrag gegeben, dessen Ergebnisse 2020 präsentiert wurden. Immer wieder kam es zu Anpassungen – wie etwa dem Entwurfsplan, den die SPÖ 2021 vorlegte. Michael Luxenberger von den Grünen sorgte dafür, dass die Pläne nochmals überarbeitet wurden. Und die ehemalige Bezirksvorsteherin Susanne Schaefer-Wiery steht ebenfalls hinter der Umgestaltung.
Doch die Abstimmung am 16. Juni wird spannend. Die SPÖ und FPÖ haben zusammen 18 von 40 Stimmen, und die ÖVP könnte mit ihren zwei Sitzen den entscheidenden Ausschlag geben. Ein paar Abwesenheiten könnten das Ergebnis außerdem beeinflussen. Man kann sich leicht vorstellen, wie die Nervosität in den Sitzungssälen wächst, während die Anwohner ihre Stimmen lautstark erheben.
Wien und die Stadtentwicklung
Das Thema Stadtentwicklung und die damit verbundenen Bürgerbeteiligungen sind nicht nur in Margareten von Bedeutung. Auf Wien.gv.at findet man eine Fülle von Informationen zu Raumentwicklung, Stadtplanung und öffentlichem Raum. Die Wienbibliothek digital bietet Publikationen, die sich mit Architektur, Mobilität und Stadtgestaltung beschäftigen. Hier kann man sich kostenlos durch die Studien klicken und die Entwicklung der Stadt hautnah nachvollziehen. Vielleicht ist das ja auch für die Anwohner von Margareten eine Möglichkeit, ihre Stimme in die öffentliche Debatte einzubringen.
Die Diskussion um die Rüdigergasse zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, die Bürger in die Planungen einzubeziehen. Denn wie wir wissen, ist eine Stadt nur so lebenswert, wie ihre Bewohner es sich wünschen. Und in Margareten brennt jetzt nicht nur die Sonne, sondern auch die Leidenschaft für die eigene Nachbarschaft.
