In Liesing, einem der malerischen Bezirke Wiens, hat das ambitionierte Start-up Carl Labs GmbH, vormals bekannt als Abundance GmbH, seine Pforten schließen müssen. Am Handelsgericht Wien wurde ein Eigenantrag auf Eröffnung eines Konkursverfahrens gestellt, was nicht nur die drei verbliebenen Mitarbeiter betrifft, sondern auch 31 Gläubiger in den finanziellen Abgrund zieht. Die Schulden belaufen sich auf schwindelerregende 4,17 Millionen Euro, während das Anlagevermögen einen Buchwert von etwa 1,83 Millionen Euro aufweist. Es scheint, als wäre die wirtschaftliche Basis des Unternehmens vollständig weggebrochen, wie Creditreform berichtet.

Das Start-up hatte sich das Ziel gesetzt, die Lücke zwischen Grundlagenforschung und der Marktreife für Biotechnologie-Unternehmen zu schließen. Auf einer Fläche von rund 1.200 Quadratmetern wurden hochmoderne Laborarbeitsplätze geschaffen, die rasch vermietet wurden. Diese Labore umfassten sowohl BSL‑1- als auch BSL‑2-Labore, die eine wichtige Rolle in der biotechnologischen Forschung spielen. Doch die Hoffnungen auf einen nachhaltigen Erfolg wurden durch die Insolvenz zweier großer Mieter und die sich verschlechternden Marktbedingungen im Biotech- und Immobiliensektor jäh zerstört.

Das gescheiterte Großprojekt BiotechHub

Ein weiteres herber Rückschlag war das geplante Hauptprojekt „BiotechHub“, welches mit 18.000 Quadratmetern Laborfläche und einem Investitionsvolumen von über 100 Millionen Euro in Zusammenarbeit mit der 6B47-Gruppe auf die Beine gestellt werden sollte. Auch diese Gruppe geriet im Februar in die Insolvenz, was die Situation für Carl Labs zusätzlich verschärfte. Der Pilotversuch galt zunächst als Erfolg, doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ließen bald darauf keine Perspektiven mehr erkennen.

Die Insolvenzverwaltung wird nun prüfen, ob eine Fortführung des Unternehmens für die Gläubiger von Vorteil wäre. Die Lage von Carl Labs wird als Warnsignal für den Biotech-Standort Wien gewertet, der trotz seines Potenzials zuletzt unter Druck geraten ist. Österreich beheimatet über 532 Unternehmen in der Biotechnologie und Pharmaindustrie, die zusammen einen Umsatz von knapp 29 Milliarden Euro erwirtschaften. Doch die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass selbst innovative Start-ups wie Carl Labs in einem schwierigen Marktumfeld kämpfen müssen.

Ein Blick auf die Lebenswissenschaften in Österreich

In den letzten 15 Jahren wurden regelmäßig statistische Erhebungen zu Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Bereich Life Sciences in Österreich durchgeführt. Diese Erhebungen sind im „Life Science Report Austria“ veröffentlicht und zeigen, dass der Sektor trotz der Schwierigkeiten von Carl Labs weiter wächst. So sind im Bereich Medizintechnik 642 Unternehmen aktiv, die zusammen 31.100 Beschäftigte beschäftigen und einen Umsatz von 11 Milliarden Euro generieren. Auch die Biotechnologie und Pharmaindustrie zeigt ein starkes Wachstum mit 42.300 Beschäftigten und einem Umsatzplus von 25 % seit 2020.

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Die Zukunft der Biotechnologie in Österreich bleibt also spannend, auch wenn Rückschläge wie der von Carl Labs schmerzhaft sind. Es bleibt zu hoffen, dass aus diesen Erfahrungen Lehren gezogen werden, um den Standort Wien als Zentrum für Lebenswissenschaften zu stärken und neue, innovative Lösungen zu entwickeln.