Die unsichtbare Kraft der Ernährung im Kampf gegen Krebs
Heute ist der 9.07.2026, und während wir hier in Landstraße gemütlich unseren Kaffee genießen, gibt es ein Thema, das viele Menschen oft nicht im Blick haben, aber enorm wichtig ist: die Ernährung bei Krebspatienten. Mangelernährung ist nicht nur ein schwerwiegendes, sondern auch ein häufig unterschätztes Problem in der Onkologie. Hannes Kaufmann, der Abteilungsvorstand der 3. Med. Abteilung der Klinik Favoriten Wien, hat deutlich gemacht, wie gravierend die Auswirkungen von Mangelernährung auf die Therapie und die Lebensqualität der Patienten sein können. Wer hätte gedacht, dass eine unzureichende Nahrungsaufnahme dazu führen kann, dass Therapien nicht mehr fortgeführt werden können? Die Morbidität und Mortalität steigen dadurch erheblich.
Medizinische Ernährungstherapie sollte deshalb ein fester Bestandteil jeder Krebsbehandlung sein. Das ist nicht einfach nur ein netter Zusatz, sondern ein absolutes Muss, um Komplikationen zu vermeiden und die Lebensqualität zu sichern. Die internationalen Leitlinien empfehlen, bereits bei der Diagnosestellung systematisch Ernährungsrisiken zu erfassen und bei auffälligem Screening strukturiert abzuklären. Das bedeutet, dass Ernährung nicht nur Sache der Diätologen ist, sondern ein Teamspiel zwischen Ärzten, Pflegepersonal und anderen Fachleuten erfordert. Die Bedeutung von Ernährung sollte bereits in der ersten ärztlichen Aufklärung thematisiert werden – und das ist mehr als nur ein kleiner Hinweis!
Der Weg zur richtigen Ernährung
Aber wie sieht dieser Weg zur richtigen Ernährung konkret aus? Ergänzende Ernährungsberatung kann eine wertvolle Unterstützung für Betroffene sein. Manchmal ist es notwendig, auf spezielle Produkte zurückzugreifen, wie die orale bilanzierte Diät – auch liebevoll „Astronautenkost“ genannt. Diese Form der Ernährung ermöglicht es, Ergänzungsnahrung zusätzlich zur normalen Kost oder sogar als vollständige Trinknahrung zu nehmen. In Fällen, in denen die normale Nahrungsaufnahme nicht möglich ist, wird die enterale Ernährung über eine Sonde in den Magen oder Dünndarm realisiert. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Die Sonde wird durch die Nase oder direkt durch die Bauchwand eingeführt.
Doch auch hier gibt es mögliche Nebenwirkungen. Eine nasale Sonde kann zur Schleimhautreizung oder sogar zu Nasenbluten führen. Bei einer Sonde durch die Bauchwand hingegen besteht das Risiko von Infektionen an der Einstichstelle oder Verdauungsproblemen. Das sind alles Punkte, die man im Hinterkopf behalten sollte, wenn man über Ernährungstherapien nachdenkt. Und wenn alles andere nicht funktioniert, bleibt noch die parenterale Ernährung, bei der Nährstoffe direkt in die Blutbahn infundiert werden. Aber auch diese Methode hat ihre Tücken, wie ein erhöhtes Infektionsrisiko oder Stoffwechselstörungen.
Die Rolle der Krankenkassen
Interessanterweise übernehmen die Krankenkassen in der Regel die Kosten für enterale und parenterale Ernährungstherapien, sofern sie medizinisch notwendig sind. Bei Nahrungsergänzungsmitteln sieht die Sache oft ganz anders aus; hier ist es ratsam, frühzeitig mit den Ärzten zu klären, welche Therapiekosten übernommen werden. Viele Patienten sind sich dessen nicht bewusst, und das kann im schlimmsten Fall für zusätzliche finanzielle Belastungen sorgen.
Die Notwendigkeit von strukturierten Maßnahmen
Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) hat klare Leitlinien zur Ernährung in der Onkologie veröffentlicht. Es werden Qualitätsindikatoren für die Ernährungstherapie bei Krebspatienten festgelegt und die Wichtigkeit des Screenings des Ernährungsstatus von Krebspatienten hervorgehoben. Ziel ist es, durch angepasste Ernährung die Lebensqualität und die Behandlungsergebnisse zu verbessern. Letztendlich ist Mangelernährung ein häufiges Problem, das nicht ignoriert werden darf. Ein Weißbuch zur medizinischen Ernährungstherapie bündelt konkrete Handlungsempfehlungen für die onkologische Versorgung in Österreich, und die Hoffnung ist, dass diese Empfehlungen in den klinischen Alltag einfließen.
Es bleibt zu hoffen, dass die Bedeutung von Ernährung in der Krebstherapie weiter in den Vordergrund rückt. Denn schließlich ist das Ziel nicht nur, die Krankheit zu besiegen, sondern auch, den Patienten ein lebenswertes Leben zu ermöglichen.
