In den letzten Monaten hat sich so einiges in der Finanzlandschaft Wiens getan. Der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) hat die Insolvenzstatistik für das erste Halbjahr 2026 veröffentlicht und die Zahlen sind – um es höflich auszudrücken – gemischt. Während die Zahl der neu eröffneten Privatinsolvenzen in Wien mit einem Rückgang um 2,09 Prozent auf 1.595 Fälle erfreulicherweise gesunken ist, sieht es im Rest Österreichs ganz anders aus. Hier stieg die Zahl der Privatinsolvenzen um 4,8 Prozent – das sind 216 mehr als im Vorjahr. Ein wenig Licht gibt es also, aber der AKV ist dennoch besorgt. Die Rezession der letzten Jahre hat anscheinend noch nicht alle Wiener erreicht, denn viele beantragen ihre Schuldenregulierungsverfahren erst Jahre nach ihrer Zahlungsunfähigkeit.

Die Situation ist speziell: Im ersten Halbjahr 2026 sind unter den Neuinsolvenzen viele ehemalige Gesellschafter und Geschäftsführer von Immobilienunternehmen. Das spricht Bände über die Herausforderungen, die die Branche derzeit durchlebt. Und die Zahlen sind nicht nur ein paar nette Statistiken – sie haben auch eine echte Dimension. Die Gesamtpassiva in den Privatkonkursen in Wien belaufen sich auf erstaunliche 384 Millionen Euro, was im Vergleich zum Vorjahr (293 Millionen Euro) einen deutlichen Anstieg darstellt. Die Durchschnittsverschuldung in Wien liegt nun bei 241.000 Euro. An dieser Stelle fragt man sich unweigerlich, wie viele Wiener mit diesen finanziellen Lasten wirklich umgehen können.

Wer ist betroffen?

Ein genauerer Blick auf die Zahlen zeigt, dass Männer in Wien eine Durchschnittsverschuldung von 326.600 Euro haben, während Frauen mit 100.400 Euro deutlich weniger belastet sind. Besonders auffällig ist, dass die meisten Privatinsolvenzen Männer im Alter von 40 bis 59 Jahren betreffen – 491 Eröffnungen mit einer Durchschnittspassiva von 370.300 Euro. Bei den Frauen sieht es nicht viel besser aus: In der gleichen Alterskategorie gab es 309 Insolvenzen, die insgesamt 37,2 Millionen Euro ausmachten. Und die Seniorinnen über 60 Jahre? Die führen die Liste mit einer Durchschnittsverschuldung von 128.400 Euro an. Das macht nachdenklich.

Die Unternehmensinsolvenzen hingegen sind eine ganz andere Geschichte. Diese betreffen juristische Personen wie GmbHs, AGs, UGs, Personengesellschaften und Einzelunternehmen. Und das hat weitreichende Auswirkungen auf die Wirtschaft. Rund 80 Prozent der insolventen Unternehmen sind Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten. Großinsolvenzen, die weniger als 1 Prozent der Insolvenzen ausmachen, haben dennoch den größten wirtschaftlichen Effekt. Besonders betroffen ist die GmbH, die etwa 40 Prozent der Unternehmensinsolvenzen ausmacht.

Ein besorgniserregender Trend

Das Bild wird noch düsterer, wenn man bedenkt, dass die Zahl der Insolvenzen von Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern sich seit 2022 fast verdoppelt hat. Etablierte Mittelständler geraten zunehmend unter Druck durch veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Die durchschnittliche Befriedigungsquote für ungesicherte Insolvenzgläubiger liegt bei mageren 3-5 Prozent, was bedeutet, dass viele Gläubiger in der Praxis oft gar nichts erhalten. Da fragt man sich, wie lange sich das noch so weiterziehen kann.

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Statistik Austria hat seit dem ersten Quartal 2021 die Pflicht, quartalsweise Daten über Registrierungen und Insolvenzen zu erstellen. Das bedeutet, dass wir regelmäßig Einblicke in die wirtschaftlichen Entwicklungen und die Herausforderungen, mit denen Unternehmen und Privatpersonen konfrontiert sind, bekommen. Die Daten stammen aus gerichtlichen Insolvenzverfahren und werden etwa 40 Tage nach dem Ende des jeweiligen Berichtsquartals veröffentlicht. Diese Transparenz ist wichtig, um die wirtschaftlichen Trends in Wien und Österreich besser zu verstehen.