Ingrid Wiener, eine faszinierende Künstlerin, deren Wurzeln in Wien liegen, wurde am 2. Oktober 1942 geboren. Aufgewachsen als Tochter eines Ingenieurs und einer Schneiderin, wuchs sie in einer kreativen Umgebung auf, die ihre künstlerische Laufbahn prägen sollte. Von 1956 bis 1958 besuchte sie die Handelsschule und machte eine Ausbildung zur Bürokauffrau. Doch der kreative Funke ließ sich nicht so leicht bändigen. Schon in ihrer Jugend war sie mit der Wiener Gruppe verbunden und wirkte bei literarischen Aktionen mit. Und dann – wie aus dem Nichts – spielte sie 1959 in dem Kurzfilm „Sonne halt!“ von Ferry Radax. Ziemlich beeindruckend, oder?
1960 begann ihr Studium an der Höheren Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt für Textilindustrie. Dieses schloss sie 1964 mit einem Diplom im Bereich Design ab. Die Technik des Gobelins erlernte sie dort und begann, ihre eigenen Ideen in Stoff und Farbe umzusetzen. Ein paar Jahre später, 1969, floh sie mit ihrem Lebensgefährten Oswald Wiener nach West-Berlin. Ihr Leben in Berlin war aufregend – sie gründeten gemeinsam das Restaurant Exil, das schnell zum Treffpunkt der West-Berliner Intellektuellen und Avantgardisten wurde. Und das war erst der Anfang.
Ein kreatives Zusammenspiel
In den 1970er Jahren arbeitete Ingrid intensiv mit dem Aktionskünstler Dieter Roth zusammen. Diese Partnerschaft brachte eine Reihe von gemeinschaftlichen Werken hervor, die nicht nur die traditionelle Webkunst sprengten, sondern auch die Grenzen des Mediums neu definierten. Ihre Gobelins, oft in feiner Seide und Wolle, spiegeln eine träumerisch-paradoxen Realität wider, beeinflusst von den Mythen der Goldgräber und Ureinwohner in Dawson City, wo sie 1986 lebte und das Claims Café betrieb. In dieser Zeit begann sie auch, ihre Träume in Aquarellen festzuhalten – eine spannende künstlerische Wendung!
Die Ausstellung „Gobelins, Films and Dreams“ zeigt ihre Webarbeiten von den 1990er Jahren bis heute. Darunter finden sich Werke wie „Automatic Weavings“ von 1995, die mit ihren Fantasieformen in rotbraun, zartblau und zartgelb auftrumpfen. Oder das großformatige Gobelin „Plumbing“ aus 2020, das das Innere eines Badezimmers zeigt – eine Verbindung von Alltäglichem und Kunst, die einfach zum Schmunzeln anregt. Und wie könnte man die Arbeiten „Aorta“ (2023) und „Gehirn“ (2025) vergessen, die mit ihren leuchtenden Farben und organischen Formen eine direkte Verbindung zu unserem Körper schaffen?
Die Zukunft der Kunst
Ingrid Wieners Werke werden nicht nur in Berlin, sondern auch in vielen renommierten Museen weltweit ausgestellt, darunter das Museum of Modern Art in New York City. Eine ihrer nächsten Ausstellungen wird 2025 im Marta Herford stattfinden, wo spektakuläre Gobelins zu sehen sein werden, die häusliches Leben und körperliches Bewusstsein thematisieren. Das wird ein Erlebnis! Ihre Gobelins sind mehr als nur textile Kunst – sie reflektieren Licht und Schatten, zeigen den Webstuhl selbst und kombinieren Realismus mit Collage-Elementen.
In Wieners Schaffen fließen auch subtile Schilderungen wie Kochrezepte ein, die sie in ihre Gobelins einwebt. So entsteht eine ganz besondere Verbindung zwischen Alltag und Kunst. Man könnte fast sagen, dass sie mit ihren Arbeiten eine Entkopplung vom Alltag evoziert, während sie gleichzeitig die Komplexität des Lebens thematisiert.
Ingrid Wiener, die in den letzten Jahren auch in der Kunsthalle Bremerhaven und im Kunsthaus Graz ausgestellt hat, bleibt ein lebendiger Teil der österreichischen und internationalen Kunstszene. Ihre Kunst ist ein Spiegel ihrer Träume, Erfahrungen und ihres einzigartigen Wahrnehmungsvermögens. Und so bleibt sie, ganz im Sinne ihrer Lebensart, eine Künstlerin, die weiterhin die Grenzen des Möglichen auslotet – sowohl in der Kunst als auch im Leben. Es wird spannend sein, zu sehen, was sie als Nächstes kreiert!