In Österreich gibt es mittlerweile eine Rekordzahl an Bürgermeisterinnen. Das klingt erstmal nach einem Grund zum Feiern, doch die Realität sieht etwas anders aus. Immerhin führen 88 Prozent der Gemeinden noch immer Männer. Katharina Wöss-Krall, die ÖVP-Bürgermeisterin von Rankweil, hat sich in einem Interview mit der ZiB2 zu diesem Thema geäußert. Sie beschreibt Frauen als „ein bisschen zurückhaltender“ in der Politik. Ein Punkt, der zum Nachdenken anregt. Denn viele Frauen fühlen sich oft in der zweiten Reihe wohler und bekommen nicht die Chance, Führungspositionen zu übernehmen. Wöss-Krall ist überzeugt, dass Bürgermeisterinnen sichtbar machen sollten, dass sie die Herausforderungen ebenso gut meistern können wie ihre männlichen Kollegen.

Ein bisschen mehr Selbstbewusstsein, sagt sie, und vor allem mehr Frauen in politischen Ämtern sind notwendig. Vorbilder spielen dabei eine große Rolle. Die positive Kommunikation über die eigene Arbeit, das ist es, was Frauen in der Politik stärken kann. Programme wie „Girls in Politics“ könnten junge Frauen motivieren, sich politisch zu engagieren. Wöss-Krall selbst wurde 2019 erste Bürgermeisterin in Rankweil, nachdem sie zuvor neun Jahre als Vizebürgermeisterin tätig war. Der Wechsel war für sie eine besondere Herausforderung – ihre jüngste Tochter war zu diesem Zeitpunkt erst ein Jahr alt. Das bringt einen ganz anderen Druck mit sich, kann ich mir vorstellen.

Frauen in der Politik – Ein Blick nach Deutschland

<pWenn wir über den DACH-Raum sprechen, werfen wir einen Blick nach Deutschland. Hier sind nur 13,5 Prozent der Bürgermeister Frauen. Diese Zahl stammt aus Schätzungen der Universität Stuttgart und basiert auf etwa 10.700 Gemeinden. Mecklenburg-Vorpommern hat mit 18,9 Prozent den höchsten Frauenanteil, während das Saarland mit nur 6 Prozent den Tiefpunkt darstellt. In Bayern sind es gerade einmal 10,1 Prozent – nur 212 von 2.056 Gemeinden werden von Frauen geleitet. Bei der letzten Wahl 2020 gab es sogar etwa 80 bayerische Gemeinderäte, in denen keine Frauen gewählt wurden. Da fragt man sich schon, wo die Frauen sind und warum sie nicht die Bühne betreten.

Rund 70 Prozent der bayerischen Bürgermeister sind zwischen 45 und 64 Jahre alt. Und die Jüngeren? Da sieht’s mau aus: Nur 13 Bürgermeisterinnen und 134 Bürgermeister sind unter 40 Jahre alt. Carolin Pecho, eine parteilose Bürgermeisterin in Ringelai, erzählt von ihren Herausforderungen – Zeitdruck, Anfeindungen, selbst ein Hundekotbeutel im Briefkasten war schon mal dabei. So viel für eine Frau, die sich für soziale Fragen und moderne Arbeitsformen einsetzt. Sie betont ebenfalls die Wichtigkeit von Vorbildern für Frauen in der Kommunalpolitik. Lars Holtkamp, ein Professor für Politik, erklärt, dass das Mehrheitswahlverfahren Frauen benachteiligt. Das klingt fast wie ein Teufelskreis, oder? Und Helga Lukoschat von der EAF weist darauf hin, dass Frauen oft nur bei geringen Gewinnchancen nominiert werden. Das ist frustrierend.

Die gläserne Decke und ihre Folgen

In der deutschen Politik zeigt sich eine klare gläserne Decke. Höhere Entscheidungsebenen haben eine geringere Frauenvertretung. Der Frauenanteil in den Fraktionen des Bundestages ist unterschiedlich, aber die CSU hat nur 25 Prozent Frauen und die CDU sogar nur 22,6 Prozent. Wenn wir in die Kommunalpolitik schauen, liegt der Frauenanteil in kommunalen Vertretungen bei etwa 30,5 Prozent. Bürgermeisterinnen machen bundesweit nur 13,5 Prozent aus. Und in Großstädten? Da sind es gerade mal 11,7 Prozent Oberbürgermeisterinnen und 11,2 Prozent Landrätinnen.

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Insgesamt zeigt sich, dass Frauen in der Politik einfach nicht die gleiche Sichtbarkeit haben wie ihre männlichen Kollegen. Es braucht dringend verbindliche Quoten, gezielte Förderung und Reformen innerhalb der Parteien, um das zu ändern. Die Stimmen der Frauen müssen lauter werden, um den Wandel einzuleiten. Und auch wenn die Zahlen manchmal düster erscheinen, gibt es auch kleine Lichtblicke. In Eichstätt kandidiert beispielsweise Petra Hemmelmann von der Partei Volt als Oberbürgermeisterkandidatin, um mehr Frauen in der Politik sichtbar zu machen. Das ist der richtige Weg!