Das Geheimnis der grantigen Männerköpfe: Die Xichta erobern Wien
Wien, die Stadt der Kunst und Kultur, hat wieder einmal ein faszinierendes Phänomen hervorgebracht: die Zeichnungen mit dem Namen „Xichta“. Über 1.000 dieser geheimnisvollen Männerköpfe sind mittlerweile in Wien und sogar im Ausland entdeckt worden. Man sieht sie oft auf Stromkästen oder direkt neben Eingangstüren, und sie scheinen einen eigenwilligen, grantigen Blick zu haben – ein bisschen wie ein schüchterner Wiener, der beim Sprechen nicht aus den Puschen kommt. Mit schwarzem Edding auf Wänden und Kästen hinterlassen, erinnern die Zeichnungen an alte Zeitungsillustrationen, sind aber alles andere als bloße Kritzeleien. Vielmehr sind sie ein Ausdruck kreativen Schaffens, das die Straßen der Stadt belebt.
Gerald Stocker, ein leidenschaftlicher Dokumentarist dieser Urban Art, hat seit Jahren die „Xichta“ im Visier. Auf seinem Blog hat er bereits mehr als 850 dieser Köpfe erfasst und dabei auch Hinweise zu den Tatorten gesammelt. Die Funde stammen vor allem aus Wien, wo die ersten 806 Köpfe gesichtet wurden. Aber auch in Städten wie Rovinj in Kroatien und Triest in Italien sind die „Xichta“ mittlerweile bekannt. Die erste Entdeckung in Wien fand im 11. Bezirk statt, und seitdem wurden neue Zeichnungen in Leopoldstadt, Landstraße und sogar in den Bezirken 2 und 19 gefunden – oft auf Toiletten und Telefonzellen. Ein wahres Versteckspiel!
Der geheimnisvolle Künstler
Wer der geniale Kopf hinter diesen Zeichnungen ist, bleibt ein Rätsel. Es wird vermutet, dass der Künstler ursprünglich Toiletten als seine Leinwand nutzte – eine ziemlich originelle Idee, muss man sagen. Eine neueste Theorie besagt sogar, dass es sich um einen Kunststudenten aus Serbien handeln könnte. Die Tatsache, dass alle „Xichta“ nach links blicken, lässt darauf schließen, dass der Künstler rechtshändig ist. Komischerweise gibt es jetzt auch weibliche „Xichta“, die in rotem Edding gemalt sind – allerdings handelt es sich dabei nicht um Werke des gleichen Künstlers. Man fragt sich: Was hat es mit dieser kreativen Explosion auf sich?
Die Street Art hat sich in den letzten Jahren in vielen Städten etabliert und wird oft als kreative Ausdrucksform wahrgenommen. Sie ist nicht nur bunt und originell, sondern kann auch provozieren und gesellschaftliche Themen ansprechen. In Wien, wie auch anderswo, gibt es legale Flächen, die Künstler*innen zur Verfügung stehen, um ihre Werke zu präsentieren. Trotzdem bleibt ein großer Teil der Street Art, einschließlich der „Xichta“, rechtlich gesehen Sachbeschädigung, wenn keine Erlaubnis des Eigentümers vorliegt. Die Entfernung solcher Kunstwerke verursacht den Gemeinden hohe Kosten, was die Frage aufwirft: Sollten wir nicht vielmehr die kreative Energie der Künstler unterstützen?
Gerald Stocker lässt sich von den Herausforderungen nicht entmutigen und dokumentiert weiterhin die Funde. Sein Ziel ist es, den unbekannten Künstler endlich zu identifizieren. Vielleicht ist es gerade diese Ungewissheit, die die „Xichta“ so besonders macht. Die Wiener Straßen erzählen mit jedem dieser Gesichter eine eigene Geschichte – und man kann nur hoffen, dass die Suche nach dem Künstler bald ein Ende findet. Bis dahin bleibt das Rätsel spannend und die Straßen von Wien lebendig!
