Heute ist der 20.05.2026 und in Döbling herrscht ein reges Treiben. Das „Calle Libre Festival“ hat die Straßen zum Leben erweckt, seit dem 18. Mai sprießen hier die Wandgemälde wie fröhliche Blumen im Frühling. Über mehrere Tage hinweg verwandeln Künstler die Wände des Bezirks in lebendige Kunstwerke. Doch nicht alles, was glänzt, ist Gold – zumindest nicht in den Augen mancher Anwohner.

Ein Wandgemälde an der Fassade eines Gemeindebaus in der Krottenbachstraße 104 hat für ordentlich Zündstoff gesorgt. Die FPÖ ist mit dem Ergebnis mehr als unzufrieden und bezeichnet das Kunstwerk als „düsteres Monster-Graffiti“. Diese Wortwahl scheint nicht nur eine flapsige Bemerkung zu sein, sondern hat die Wogen der Diskussion ordentlich hochgeschlagen. Anwohner und Bewohner sind ebenfalls alles andere als begeistert und äußern ihre Bedenken lautstark. Der Verein Calle Libre sieht sich in der Defensive und wird beschuldigt, die Absprachen mit dem Bezirk missachtet zu haben. Vorab sollten die Motive zur Abstimmung vorgelegt werden – das ist klar. Doch die FPÖ fordert nun nicht nur den sofortigen Stopp weiterer Projekte, sondern auch die Rücknahme einer bereits zugesagten Förderung in Höhe von 10.000 Euro.

Streit um das Wandgemälde

Die FPÖ-Döbling hat sich nicht nur mit Worten begnügt. Sie verlangt eine Einberufung der Döblinger Kulturkommission, um über die Zukunft weiterer Graffiti-Projekte des Vereins zu beraten. „Döbling wünscht ein gepflegtes Ortsbild und keine düsteren Monsterbilder“, heißt es in ihrer Erklärung. Genüsslich wird darauf hingewiesen, dass, falls die Förderung bereits ausgezahlt worden sein sollte, eine Rückzahlung gefordert wird. Und das Graffiti selbst? Das soll auf Kosten des Künstlers entfernt werden – das ist der klare Plan. Calle Libre kontert die Vorwürfe mit der Behauptung, das Mural stelle nicht etwa ein Monster dar, sondern „die Mitbewohnerin des Künstlers, wie sie sich während Corona die Nägel lackierte“. Na, wenn das mal nicht eine witzige Wendung ist!

Bezirksvorsteher Daniel Resch von der ÖVP hat in einer Sitzung im März zwar das Konzept des Festivals bestätigt, jedoch betont, dass nur das Konzept und nicht die einzelnen Motive präsentiert wurden. Er kündigte an, erneut mit Calle Libre ins Gespräch zu treten. Ob das die Wogen glätten kann? Die Meinungen sind geteilt.

Kunst im öffentlichen Raum

Versteht man die Aufregung? Auf der einen Seite steht die Kunst, die den urbanen Raum bereichern und ihm eine neue Seele verleihen kann. Street Art hat in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Wandel durchgemacht – sie wird zunehmend als transformative Kunstform anerkannt. Es gibt Stimmen, die betonen, dass kuratierte Graffiti-Projekte nicht nur zur Verschönerung des Stadtbildes beitragen, sondern auch soziale Identität und Dialog fördern können. Zum Beispiel können Anwohner aktiv in den Entstehungsprozess einbezogen werden, was die Identifikation mit dem Wohnumfeld stärkt. Wir erinnern uns an Projekte wie „Stadt.Wand.Kunst“, die den Austausch zwischen zeitgenössischer Kunst und Bestandsbau fördern.

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Eine Frage bleibt dennoch: Wie können Kunst und Stadtplanung harmonisch zusammenarbeiten? Professionell gestaltete öffentliche Räume könnten die Hemmschwelle für illegale Schmierereien erhöhen und dazu beitragen, dass die Stadtgesellschaft stabiler wird. In einer Zeit, in der Graffiti von illegaler Sachbeschädigung zu einem anerkannten Gestaltungselement aufsteigt, ist es entscheidend, rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Realisierung solcher Projekte ermöglichen.

Ob das Calle Libre Festival am Ende als Erfolg gefeiert wird oder in der Kritik untergeht, bleibt abzuwarten. Eines ist sicher: Die Diskussion um Kunst im öffentlichen Raum wird uns noch eine Weile beschäftigen – und das ist vielleicht auch gut so.