Es ist ein sonniger Tag in Wien, und die Stimmung könnte nicht besser sein – doch hinter den Kulissen der Wiener Linien brodelt es. Man könnte sagen, die Wasserstoffbusse der Linie 39A sind vorerst zum Stillstand gekommen. Anfang Mai 2026 mussten sieben von zehn dieser neuartigen Busse ihre Fahrt einstellen. Die Busse, die erst Ende 2025 für die Verbindung zwischen Heiligenstadt und Sievering angeschafft wurden, stehen nun in der Garage Leopoldau in Floridsdorf und warten auf Ersatzteile. Ganze zehn Millionen Euro hat das Projekt gekostet, und jetzt müssen die Wiener Linien mit einem echten Debakel umgehen.
Der Grund für diese plötzliche Abwesenheit der Wasserstoffbusse? Fehlende Ersatzteile für konventionelle Bauteile, wie Türkompressoren und Monitore für den toten Winkel. Die Technik der Wasserstoffantriebe selbst, die immerhin mit einer Reichweite von über 400 Kilometern glänzen sollte, ist nicht das Problem. Man könnte fast sagen, dass die Technik selbst wunderbar funktioniert, aber die kleinen, unverzichtbaren Teile, die den Bus erst sicher und fahrbereit machen, fehlen. Das ist schon ein bisschen ironisch, oder?
Ein Schritt vor, zwei Schritte zurück
Die Wiener Linien, die sich als Vorreiter in der Dekarbonisierung des öffentlichen Verkehrs sehen, sind nun vor eine Herausforderung gestellt. Die Linie 39A gilt als die zwölfte Buslinie, die vollständig mit emissionslosen Fahrzeugen betrieben wird, und sollte eigentlich ein Zeichen für die Zukunft sein. Doch jetzt stehen sie da – nur drei Busse sind noch im Einsatz. Ersatzfahrzeuge, darunter Dieselbusse, werden vorübergehend eingesetzt, damit die Fahrgäste möglichst wenig von dem Chaos mitbekommen.
Die Wasserstoffbusse, ausgestattet mit einem Elektromotor von 180 kW, einer Brennstoffzelle von Toyota und fünf Wasserstofftanks auf dem Dach, haben das Potenzial, eine echte Zukunftstechnologie zu sein. Aber wie sich jetzt zeigt: Neue Antriebstechnik allein reicht nicht aus. Wartung, Ersatzteile und zuverlässige Lieferketten sind ebenso wichtig. Und das ist nicht nur ein Problem für die Wiener Linien – auch der Hersteller CaetanoBus sieht sich bereits mit Vertragsstrafen konfrontiert.
Ein Blick in die Zukunft
Wien hat sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt. Über 80 Prozent der Fahrgäste nutzen bereits klimafreundliche Verkehrsmittel wie U-Bahn, Straßenbahn oder die 70 elektrisch betriebenen Busse. Die Wiener Linien investieren in die Zukunft des öffentlichen Verkehrs und testen verschiedene Busmodelle mit Elektro- und Wasserstoffantrieb, um aus den gesammelten Erfahrungen zu lernen. Gemeinsam mit dem Ministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur sowie der Europäischen Union fließen rund 10,4 Millionen Euro in die Anschaffung und Instandhaltung neuer Fahrzeuge.
Die Hoffnung bleibt, dass die ausgefallenen Busse bald wieder regulär auf der Linie 39A fahren. Doch das hängt alles von der Beschaffung der benötigten Teile ab. Es bleibt unklar, wann die Passagiere wieder in den Genuss der Wasserstoffbusse kommen werden. Eines ist jedoch sicher: Die Wiener Linien müssen sich auf die Fahnen schreiben, dass sie nicht nur innovative Antriebe benötigen, sondern auch eine zuverlässige Infrastruktur, um den Herausforderungen dieser neuen Technologie gerecht zu werden. Es ist ein ständiger Lernprozess, und Wien bleibt auf Kurs – auch wenn es manchmal wie ein Schlingerkurs aussieht.