In Döbling ist die Jugendkriminalität ein heißes Eisen, das zum Teil zum Glühen gebracht wird durch eine Zunahme von Straftaten, die insbesondere von jugendlichen Intensivtätern verübt werden. Die Polizei zieht Alarm und berichtet von steigenden Deliktzahlen – Raub und Einbrüche scheinen vor allem in den gut angebundenen, dicht besiedelten Gegenden des Bezirks zuzunehmen. Bezirksvorsteher Daniel Resch von der ÖVP fordert einen verstärkten Kontrolldruck, während die Polizei ebenfalls Maßnahmen zur Eindämmung dieser Tendenzen anregt.

Doch während die Politik auf härtere Maßnahmen drängt, setzen die Jugendzentren auf einen ganz anderen Ansatz: Prävention und Beziehungsarbeit stehen auf der Agenda. Merivan Kar, die pädagogische Bereichsleiterin der Wiener Jugendzentren, hebt hervor, wie wichtig es ist, Fehlverhalten zu thematisieren, ohne die Jugendlichen sofort zu verurteilen. Ihr Team, das „19KMH“ heißt und aus fünf engagierten Sozialarbeitern besteht, nutzt sogar Social-Media-Analysen, um die aktuellen Treffpunkte der Jugendlichen zu identifizieren und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Ziel ist nicht nur, Verantwortung zu vermitteln, sondern auch die Folgen von Fehlverhalten aufzuzeigen.

Die Debatte um die Strafmündigkeit

In der politischen Arena wird auch über die Altersgrenze für die Strafmündigkeit diskutiert. Die Freiheitliche Partei fordert, das Alter auf zwölf Jahre herabzusenken. Merivan Kar äußert sich skeptisch zu diesem Vorschlag. Sie sieht darin die Gefahr, dass die Zukunftsperspektiven der Jugendlichen stark beeinträchtigt werden könnten. Stattdessen plädiert sie für mehr Engagement der Eltern und eine intensive Auseinandersetzung mit dem Medienkonsum ihrer Kinder. Es ist ein Aufruf zur Verantwortung – nicht nur von Seiten der Jugendlichen, sondern auch von Eltern und Gemeinschaft.

Aber wie sieht es bundesweit aus? Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) wurden 2024 insgesamt 5.837.445 Straftaten registriert. Davon entfallen 217.277 auf Gewaltkriminalität, was etwa 3,7% ausmacht. Hierbei ist auffällig, dass 75% der Tatverdächtigen männlich sind und vor allem Kinder, Jugendliche und Heranwachsende relativ aktiv sind. In den letzten Jahren hat die Gewaltkriminalität unter diesen Gruppen zugenommen. Dunkelfeldstudien zeigen zudem, dass viele Straftaten von Jugendlichen nicht angezeigt werden. Dies wirft ein weiteres Licht auf die Komplexität des Problems.

Ein ganzheitlicher Ansatz für die Jugend

Die Jugendzentren in Döbling arbeiten nicht isoliert. Sie sind Teil eines größeren Netzwerks, das eng mit Schulen und der Polizei kooperiert. Gemeinsam wollen sie ein nachhaltiges, friedliches Miteinander fördern – durch Vertrauen und Perspektiven, nicht durch Bestrafung. Das Jugendstrafrecht, das im Jugendgerichtsgesetz (JGG) geregelt ist, verfolgt das Ziel der Erziehung statt der Bestrafung. Diese Sichtweise ist aus entwicklungspsychologischer Perspektive nachvollziehbar, denn die innere Selbstkontrolle der Jugendlichen ist entscheidend für die Verhinderung von Kriminalität.

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Die Herausforderungen sind komplex und erfordern ein sensibles Herangehen. Die Anstiege bei der Gewaltkriminalität könnten auch mit gesellschaftlichen Faktoren wie Migration, Integration von Geflüchteten und den Auswirkungen der Corona-Krise zusammenhängen. Diese Aspekte müssen im Diskurs berücksichtigt werden, um eine nachhaltige Lösung für die Probleme der Jugendkriminalität zu finden.

In einer Zeit, in der die Stimmen lauter werden für härtere Strafen, bleibt zu hoffen, dass die Ansätze der sozialen Arbeit nicht in den Hintergrund gedrängt werden. Schließlich ist der Weg zu einem besseren Miteinander geprägt von Verständnis und nicht von Verurteilung. Was wir brauchen, sind kreative Lösungen, die alle Beteiligten einbeziehen und gleichzeitig den Jugendlichen Perspektiven bieten.

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